Blog:

Warum ein ungerader Lebenslauf so viele Chancen bietet: Alle Erfahrungen zahlen auf deine Expertise ein

Aktualisiert am

Geburt, Kita, Schule, Abschluss, dann Ausbildung oder Studium und dann ab in den Job. Ein paar Positionswechsel, ein bisschen Karriere. 30, 40 Jahre arbeiten und dann Rente. So war das doch mal, oder? In manchen Berufszweigen ist das auch noch so, aber ein beruflicher Lebenslauf ist heute lange nicht mehr so statisch wie er es früher einmal war. Und ein ungerader Lebenslauf ist für Personaler kein Grund, eine Bewerbung direkt in den Papierkorb zu befördern.

Es gibt immer mehr Menschen, die sich trauen, noch mal von vorne anzufangen. Und für die es kein Problem ist, dem eigenen Lebenslauf einen Knick zu verpassen, einen Quereinstieg zu wagen und mit neuer Motivation eine zweite oder sogar dritte Karriere anzustreben. Ein solcher Neuanfang muss kein Nachteil für deinen weiteren Lebensweg sein. Im Gegenteil: All deine Erfahrungen sind für deinen Expertenstatus wichtig und können deine Karriere voranbringen – egal ob ungerader Lebenslauf oder steile Karriereleiter.

Immer noch ein Thema: Den sicheren Job und die Karriere aufgeben, um etwas anderes zu machen

Sicherheit ist für viele Menschen ein Wert, der ihre beruflichen Entscheidungen massiv beeinflusst. Daran ist ja auch nichts verkehrt – immerhin gehört zu einem guten Leben, dass die Grundbedürfnisse erfüllt werden. Wer einen guten, sicheren Job mit einem angemessenen Gehalt ergattert hat, der ist freier in seinen Entscheidungen. Klar, dass viele Menschen genau das anstreben: Einen unbefristeten Job, von dessen Gehalt sie (und ihre Familien) gut leben können.

Was aber, wenn sich jemand dazu entscheidet, genau so einen sicheren Job zu kündigen, um noch einmal von vorne anzufangen? Genau: Dieser Jemand trifft auf sehr viel Unverständnis und Gegenwind. Dieser Jemand war ich.

Ich hatte diesen sicheren Job in einem großen Konzern, in der Personalabteilung der Deutschen Telekom AG nämlich. In meinen verschiedenen Positionen habe ich viel Erfahrung in den Bereichen Personalrecruiting, Changemanagement und Führungskräfteentwicklung gesammelt. Dinge, die ich bis heute gern tue. Das Problem an meiner Situation war aber, dass ich nicht mehr glücklich damit war.

Jahrelang war es ein toller Job mit viel Freiheit, großen Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für mich. Aber mit der Zeit veränderten sich die Rahmenbedingungen für mich und meinen Job. Immer weniger Gestaltungsspielraum, starre Prozessvorgaben und eine extrem fordernde Arbeitsmenge – das machte mich unzufrieden und erschöpfte mich.

Dennoch blieb ich noch mehrere Jahre in dieser unbefriedigenden Situation. Anstatt an den Job-Bedingungen zu zweifeln, zweifelte ich an mir selbst. Wieso nur kam ich mit den Entwicklungen nicht gut klar, andere aber schon? Es brauchte lange, bis ich mich dazu durchringen konnte, den Job bei der Telekom an den Nagel zu hängen.

Lies hier nach, wieso es für mich die beste Entscheidung war, den sicheren Job aufzugeben.

Ausstieg und Neuanfang: Leben und Arbeiten nach den eigenen Werten

Allen Ängsten und Zweifeln zum Trotz habe ich mich letztlich für einen Neuanfang außerhalb der Telekom entschieden. Ich wollte nicht mein Leben damit verbringen, eine unbefriedigende Situation auszuhalten. Für mich war es wichtig, mich weiterzuentwickeln, all meine Potenziale einbringen und meine Werte leben zu können.

Im Personalbereich hatte ich mich immer wohl gefühlt, also war schnell klar, dass ich auch weiterhin in diesem Bereich arbeiten möchte. Allerdings hatten sich meine Ansprüche an Arbeit verändert: So wie in den letzten drei Jahren bei der Telekom wollte ich mein Berufsleben nicht mehr gestalten. Für mich war die Selbstständigkeit die beste Lösung, weiterhin Menschen und insbesondere Führungskräfte in Entwicklungsprozessen zu begleiten. Denn das ist das, was ich mit Leidenschaft und Freude gemacht habe und immer noch mache.

Als Karriere- und Bewerbungscoach kann ich das tun. Und ich arbeite im Einklang mit meinen Werten und meinen Bedürfnissen nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Ich habe also quasi die Seiten gewechselt.

Trotz Jobwechsel nicht verloren: Erworbene Expertise und Fähigkeiten auch im neuen Job nutzen

All die Erfahrungen aus meinem bisherigen beruflichen Weg machen mich jetzt auch zu einem besseren Coach. Denn mein Insiderwissen und meine langjährige Erfahrung aus dem Personalbereich sind ja nicht weg – sie bieten mir zum Beispiel die Möglichkeit, mit dem Blick der Personalrecruiterin auf Bewerbungsunterlagen zu schauen. Ich kenne die Praxis und weiß, worauf Personaler und Führungskräfte im  Auswahlprozesse achten.

Ich kann leicht die Perspektive wechseln und mein Wissen beim Bewerbungscoaching nutzen. So unterstütze ich auch bei der Optimierung von beruflich genutzten Social-Media-Profilen wie XING oder LinkedIn. Ein großer Schwerpunkt meiner Arbeit ist heute die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche oder Assessmentcenter, denn ich kenne diese Prozesse aus Unternehmenssicht sehr gut.

Und nicht nur mein Fachwissen hilft mir in meiner Arbeit, sondern auch meine Geschichte: Immerhin gibt es auch in meiner eigenen Berufsbiografie Brüche und Wendepunkte. Dadurch kann ich nicht nur die Entscheidungsprozesse begleiten, sondern auch die Ängste, Zweifel und Hürden nachfühlen. Ein ungerader Lebenslauf wird dann zum Vorteil: Selbst Krisen und Umbrüche erlebt und gemeistert zu haben, macht meine Beratung authentisch und ich bin immer nah an meinen Klienten.

Zwei Wege vereinen sich zu einem Weg im Wald

Ob ein Lebenslauf gerade ist, entscheidet sich erst später im Leben.

Meine langjährige HR-Erfahrung ist auch ein Grund, warum meine Klienten mit mir arbeiten wollen. Da ist es nicht wichtig, warum ich den sicheren Job im Konzern aufgegeben habe, sondern nur, was ich kann. Ein ungerader Lebenslauf ist immer auch ein Wachstumsmotor.

Meine aufgeschlossene und ressourcenorientierte Haltung ist auch eine Folge meiner Erfahrungen im Berufsleben. Ich weiß, wie sich berufliche Krisensituationen anfühlen und kenne die Stellschrauben, die gedreht werden müssen, damit notwendige Entwicklungsschritte gegangen werden können. Diese Haltung ist wichtig für meine Klienten und sie hat sich aus all meinen Erfahrungen in meiner Berufslaufbahn entwickelt.

Die „alte“ Expertenrolle weiter nutzen: Warum ich gerne noch als HR-Expertin auftrete

Obwohl meine Selbstständigkeit als Karriere- und Bewerbungscoach mittlerweile etabliert ist, gibt es auch heute noch Anlässe, in denen ich als HR-Expertin auftrete. Warum auch nicht – immerhin habe ich viele Jahre in diesem Bereich gearbeitet und weiß, was dort gefragt ist.

Die Themen, die ich abdecke, sind vielfältig und damit bin ich auch für die Medien als Expertin interessant. Regelmäßig beantworte ich in kurzen Interviews der Welt Fragen rund um Arbeitsrecht und Personalmanagement. Es ist für mich kein Gegensatz, als Karrierecoach zu arbeiten und gleichzeitig Wissen zu Urlaubsanspruch oder Urlaubsplanung zu haben und zu nutzen. Dabei kann ich sowohl die Perspektive des Angestellten spiegeln, als auch die Eindrücke beschreiben, die ein bestimmtes Verhalten von Mitarbeitern auf Führungskräfte macht.

Gerade im sensiblen Bereich Urlaub und Freizeitmaximierung ist es wichtig, auch die Intention und Haltung des Unternehmens zu verstehen. Denn ein abgelehnter Urlaubswunsch ist keine böswillige Handlung, sondern hat immer klare betriebliche Gründe. So geht es in den Interviews der Welt dann auch um recht spezifische Fragestellungen: Zum Beispiel, wie es auf Führungskräfte wirkt, wenn Mitarbeiter bei der Urlaubsplanung durch massive Nutzung von Brückentagen ihre Freizeit maximieren wollen.

Auch in diesen Fällen hilft mir meine langjährige Erfahrung im Personalbereich. Und dieses Wissen gebe ich natürlich nur zu gern an meine heutigen Klienten weiter, damit sie stets sicher gegenüber ihre Kollegen und die Führungskräften im Unternehmen auftreten können.

Dein ungerader Lebenslauf als Chance: Experte sein mit der gesamten Persönlichkeit und Erfahrung

Mein Beispiel ist kein Einzelfall: Menschen, die sich beruflich neu orientieren, profitieren von ihrem früheren beruflichen Werdegang. Du hast nicht nur Wissen erworben, du hast wichtige Erfahrungen gesammelt und dich weiterentwickelt. All diese Erlebnisse und Erfahrungen kannst du auch nach einer beruflichen Veränderung weiter nutzen. Dein Wissen geht bei einem Berufswechsel nicht verloren – im Gegenteil! Es geht eher darum, herauszufinden, was dein Roter Faden in deinem Leben ist und den weiterzuführen.

Wellensittich mit Tigerkopf vereint verschiedene Eigenschaften

Ein ungerader Lebenslauf macht dich zu einer interessanten Persönlichkeit! Foto: S. Richter, pixabay

Deine Erfahrungen aus dem früheren Berufsweg kannst du für weitere Stationen der Karriere nutzbar machen. Ja, natürlich passt nicht jede Qualifikation zu jeder Stelle. Eine Auswahl solltest du daher schon treffen, gerade wenn dich der Berufswechsel in eine ganz andere Branche führt. Aber all dein Wissen und deine Erfahrung haben dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist. Und daher ist dein Expertenwissen aus früheren Jobs und Positionen ein Pluspunkt in deinem Lebenslauf, selbst bei einem Quereinstieg.

Solltest du jetzt unsicher sein, welche Erfahrungen für welche Bewerbung passend und angemessen sind, dann kannst du einen Termin für ein unverbindliches Gespräch mit mir ausmachen. Oft klären sich kleine Fragen bereits, wenn man sie ausspricht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

Mehr erfahren

Kategorien:


Feed abonnieren

RSS-Feed

Newsletter

Wenn Du regelmäßig Informationen zu Karriere und Bewerbungen, zu meinen neuen Produkten oder Aktionen erhalten möchtest, dann trage dich in den Verteiler ein.


Hinweis: Deine Daten werden ausschließlich zur Verarbeitung Deiner Anfrage genutzt.
Es gelten die Bedingungen unserer Datenschutzerklärung