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10 Tricks, wie deine Bewerbung garantiert im Papierkorb landet

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Unzählige Bewerbungen habe ich in meiner Zeit als Personalerin bei der Deutschen Telekom gelesen – und auch aussortiert. Und zwar habe ich alle Bewerber auf den Stapel C (Papierkorb) gelegt, die entweder von ihrer Qualifikation nicht in Frage kamen (klar!) oder die mir in ihrer Bewerbungsmappe nicht schnell genug vermitteln konnten, warum sie eine gute Besetzung für die Position sind. In diesem Blogartikel möchte ich dir 10 Dinge verraten, die bei mir unweigerlich dazu geführt haben, dass eine Bewerbung im Papierkorb landet. Ich lasse dich sozusagen über meine Personalerschulter schauen und verrate dir, wie sich Personaler Bewerbungsunterlagen ansehen und was sie wirklich nervt.

Hier meine No-Go-Favoriten:

# 1 Standard-Bewerbung

Als Bewerbungscoach bekomme ich häufiger die Anfrage, ob ich mit dem Klienten eine Standardbewerbung, ein Anschreibenmuster erstellen könnte. Ich mache das nie! Denn eine Standardbewerbung hat Null Aussicht auf Erfolg. Ob du deine Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle angepasst hast, kann ein Personaler sehr schnell erkennen. Und ich behaupte, dass kann jeder halbwegs erfahrene Personaler und jede halbwegs erfahrene Führungskraft. Wenn du dir nicht die Mühe macht, für eine konkrete Stelle eine Bewerbung zu schreiben, dann sinken die Chancen zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden auf den Nullpunkt. Warum? Weil in deiner Standardbewerbung kein Bezug hergestellt wird zwischen den in der Ausschreibung beschriebenen Anforderungen und dem, was du konkret an Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrungen dafür mitbringst. Je höher die Stelle vergütet wird, desto genauer sollten dein Lebenslauf und dein Anschreiben auf die Position angepasst sein.

# 2 Mit Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige bei … gelesen

Mit diesem Einleitungss-Satz löst du sofort gähnende Langeweile beim Leser aus, weil ungefähr 70% aller Bewerbungen so beginnen – kein Scherz. Zu Beginn langweilt es nur, irgendwann nervt es und ab der 15ten Bewerbung bekommt man so langsam einen dicken Hals. Wenn du deine Chancen steigern möchtest, dann verschwende nicht den ersten Satz mit etwas, womit du im besten Fall langweilst, im schlimmsten Fall Ärger auslöst. Nutze ihn, um Aufmerksamkeit für dich zu erzeugen. Falle gleich mit etwas Interessantem über dich ins Haus oder erwecke Aufmerksamkeit, indem du einen ungewöhnlichen, überraschenden Eingangssatz wählst.

# 3 Dem Unternehmen Honig um den Bart schmieren

Eine weitere bei Bewerbern beliebte aber von Personalern gehasste Einstiegsvariante ist es, dem Unternehmen erst einmal schmeicheln zu wollen, z.B. so: „Ihr Unternehmen stellt eine herausragende Institution in der deutschen Flugbranche dar. Gerne würde ich bei Ihnen als anerkanntem Marktführer zum Geschäftserfolg beitragen.“ Um es kurz zu sagen: auch damit verschwendest du nur wertvollen Platz. Unternehmen wissen sehr gut, wo sie im Markt stehen und wie ihr Image ist. Du musst ihnen nicht mitteilen, dass du das erkannt hast. Und Unternehmen wissen auch, das Bewerber gerne zu Marktführern gehen. Mit der Info lockst du niemanden hinter dem Ofen hervor. Auch wenn ich mich hier wiederhole: nutze dein Anschreiben vom ersten Satz an dafür, dich und das, was du für die ausgeschriebene Stelle mitbringst, auf den Punkt zu bringen.

# 4 Geschwurbelte Sprache

Natürlich möchtest du in einem Anschreiben intelligent, gebildet und eloquent rüberkommen. Wenn du sicher gehen möchtest, dass dein Anschreiben NICHT gelesen wird, dann solltest du dich so kompliziert wie möglich ausdrücken, am besten so, dass man bereits den Eingangssatz mehrfach lesen muss, um ihn zu verstehen. „Ich schätze diese unternehmensrelevante Dynamik kreativer Prozesse und mir ist sehr daran gelegen, die strukturelle Sicht tiefgreifend zu fassen.“ Wenn du dir vorstellst, dass ein Personaler sich im Schnitt pro Bewerbung 1-3 Minuten Zeit nimmt, dann kannst du dir leicht ausrechnen, dass er sich nicht die Mühe machen wird, lange Schachtelsätze zu entwirren. Dann drückt man einfach auf: Absage!

# 5 Geschieden, 3 Kinder, alleinerziehend

Heikles Thema: die familiäre Situation. Was ich jetzt hier schreibe ist allein meine Erfahrung als Personalerin und Bewerbungscoach. Meine persönliche Meinung dazu, dass alleinerziehende Mütter es sehr schwer haben, ins Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, tut hier gar nichts zur Sache: natürlich finde ich das ätzend. Meine Erfahrung ist jedoch, dass du mit einer solchen Angabe einfach nicht eingeladen wirst. Punkt. Und wenn du dich in die Rolle eines Personalers oder Geschäftsführers hineinversetzt, dann kannst du dir leicht vorstellen, wie beim Lesen ein buntes Kopfkino losgeht: kleine Kinder, andauernd krank, übernächtigte Mitarbeiterin, streikende Kitas, etc. Ich weiß, dass viele Mütter sich total schwer damit tun, ihre Kinder in der Bewerbung wegzulassen und es ist natürlich auch jedem selbst überlassen. Aber in einer schriftlichen Bewerbung kannst du dieses Kopfkino nicht entkräften. ((Anmerkung AL: ich fänd es gut, wenn du hier wie bei den anderen Punkten auch noch einen Satz schreiben würdest, wie Frau stattdessen vorgehen sollte; du sagst es nur implizit))

# 6 Praktikumsbescheinigungen von vor 10 Jahren

Auch so ein Klassiker. Die Bewerbungsunterlagen wachsen über die Jahre mit. Die letzte Position wird oben ergänzt, das entsprechende Zeugnis hinten angefügt. Die Bewerbungsunterlage bzw. die Datei wächst über die Jahre einfach immer weiter. Meist hat aber ein Praktikum überhaupt keine Relevanz mehr für die Position, für die du dich bewirbst. Und wenn etwas keine Relevanz mehr hat, dann gehört es nicht mehr in die Unterlagen. „Ja, aber ich möchte doch zeigen, dass ich neben meinem Studium mich schon immer mit dem Thema beschäftigt habe“ sagst du jetzt vielleicht. Das ist eine Info, die du ggf. im Anschreiben erwähnen kannst. Im CV und in den Zeugnissen punktest du durch den Fokus auf die Anforderungen aus der Ausschreibung.

# 7 Keine Struktur im Anschreiben

Wenn ich ein Anschreiben vor mir hatte mit extra schmalen Seitenrändern, Schriftgröße 9, Zeilenabstand 1,0 und es dann auch noch in einem einzigen Absatz runtergeschrieben war, dann habe ich es gleich entsorgt. Ich weiß, das Anschreiben treibt viele Bewerber in den Wahnsinn. Du weißt nicht, wie du anfangen sollst, du formulierst ein Anschreiben, formulierst es wieder um. Das geht Stunden so und am Ende liest du es und fragst dich: was muss eigentlich in so ein Anschreiben rein? Wenn du dich damit schwertust, dann bist du nicht allein. Und an dieser Stelle sei auch mal gesagt, dass viele Firmen dem Bedürfnis danach, das Anschreiben wegzulassen ja auch schon entgegenkommen und Bewerbungen ohne Anschreiben akzeptieren. Ich bin sicher, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Anschreiben komplett verschwindet – aber im Moment ist es halt immer noch der Standard. Wenn du also dem Leser eine Freude machen und deine Chancen, gelesen zu werden, erhöhen möchtest, dann schreibe einen (einseitigen) durch drei Absätze gut strukturierten Brief. Das ist kein Hexenwerk: Warum bewirbst du dich gerade jetzt? Was bringst du für den Job mit? Wieso ist das Unternehmen bzw. der Job für dich interessant? Ggf. noch der Gehaltswunsch und der Eintrittstermin, Abschluss-Satz – FERTIG!

# 8 Ein Feuerwerk an positiven Eigenschaften abbrennen

„Mit mir gewinnen Sie einen kreativen, belastbaren, teamfähigen, qualifizierten, engagierten, …, … Mitarbeiter.“ Das kann wirklich jeder von sich behaupten. By the way: das tun auch viele. Wenn du einen Job zu besetzen hättest, würde dich das überzeugen? Besser ist es, wenn ich mir ein Bild davon machen kann, wo du deine Stärken schon mal eingesetzt hast und was das Ergebnis davon war. Personaler sind geradezu auf beobachtbares Verhalten getrimmt. Ich will als Personaler immer wissen, woran ich denn erkennen kann, dass du zum Beispiel kreativ bist.

# 9 Ihre Stelle stellt eine Herausforderung für mich dar

Vielleicht zuckst du jetzt zusammen, weil das ein Satz aus deiner Bewerbung ist. Keine Sorge: du bist nicht allein, denn den Herausforderungss-Satz habe ich in mindestens der Hälfte aller Bewerbungsunterlagen gefunden, die ich gelesen habe. Aber mal ehrlich: Möchtest du zum Beispiel von jemandem operiert werden, für den das eine Herausforderung ist? Ich vermute mal NEIN. Du würdest dich für eine OP wahrscheinlich nur jemandem anvertrauen, der das entweder bereits kann oder dem du das zumindest zutraust. Und so ist das in einem Bewerbungsprozess auch. Du musst dem Unternehmen entweder darlegen, dass du schon Erfahrungen in dem gesuchten Bereich hast oder aber dich und deine Erfahrungen so darstellen, dass man dir die Aufgabe zutraut.

# 10 Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben

Deine Bewerbung kann noch so toll sein, mit diesem Satz reißt du alles, was du vorher an positivem Bild von dir aufgebaut hast, wieder ein. Du stellst ja selbst in Frage, dass du interessant sein könntest. Wenn du selbst nicht daran glaubst, dass du für eine Firma interessant bist, dann solltest du dich erst gar nicht bewerben. Denn die Frage, die sich dem Leser natürlich aufdrängt: wieso bewirbst du dich dann überhaupt? Außerdem: wenn du schon nicht daran glaubst, dass du ein interessanter Kandidat für die vakante Position bist, wer soll denn dann daran glauben? Und wie willst du andere dann davon überzeugen? Eine Bewerbung ist generell nicht der Ort für Bescheidenheit und der Abschluss-Satz auch nicht. Kein Wenn und Aber, kein Konjunktiv! Freust du dich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch? Ja? Dann schreib das auch so: „Ich freue mich auf Ihre Einladung zum Vorstellungsgespräch“ oder „Ich freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen und mich Ihnen vorzustellen.

So, jetzt weißt du, wie es nicht geht. Aber wie geht es dann? Dazu habe ich eine Videoserie erstellt, die ich hier im Blog in regelmäßigen Abständen nach und nach veröffentliche. Darin gebe ich dir Tipps zu:

  • Aufbau und Umfang einer Bewerbung
  • Das Wichtigste zum CV, z.B. zu den persönlichen Angaben
  • Was macht ein gutes Anschreiben aus?
  • Wie viele und welche Zeugnisse kommen in die Unterlage?

Wenn du mehr Informationen möchtest oder dir Unterstützung bei deiner Bewerbung wünscht, dann könnte der Online-Kurs RICHTIG BEWERBEN! DIE PROFESSIONELLE BEWERBUNG – EINFACH EINLADEND etwas für dich sein. Darin stelle ich mein gesamtes HR‘ler Wissen zur Verfügung. Ich gebe dir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du eine Bewerbung aufbaust, die Personaler und Führungskräfte überzeugt, sodass du ins Vorstellungsgespräch eingeladen wirst. Denn darum geht es: Um die Einladung zum Interview.

Fazit: Eine gute Bewerbung zu schreiben ist aufwendig, aber es ist auch keine Raketen-Wissenschaft. Und wenn du einmal den Bogen raus hast und ein paar Dinge beachtest, dann wird dir das Schreiben viel leichter fallen und dann wird sich deine Einladungsquote sicherlich auch erhöhen.

Und hier ist auch schon das erste Video für dich:

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Fehlt etwas in meinen Tipps? Welche Erfahrungen hast du mit Bewerbungen gemacht. Was hat für dich gut funktioniert, was aber auch nicht? Hinterlasse mir jetzt hier einen Kommentar.

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Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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