Sicheren Job aufgeben? Wann es Zeit ist, zu gehen - SILKE GROTEGUT

Blog:

Den sicheren Job aufgeben? Wann es sich lohnt, einen neuen beruflichen Weg zu gehen

 „Silke, wie kann man nur einen sicheren Job in einem Konzern aufgeben?!“

Das werde ich oft gefragt, seit ich Ende 2014 bei der Deutschen Telekom AG ausgestiegen bin. Denn ein sicherer, gut bezahlter Job ist für viele Menschen immer noch das, was sie sich erträumen. Ein solcher Job gibt Sicherheit und gesellschaftliche Anerkennung, ein finanzielles Polster, eine gute Perspektive auch mit Sicht auf die Altersvorsorge. Was aber, wenn der Job nicht mehr das ist, was man machen möchte? Wenn sich Strukturen und Anforderungen verändert haben? Und wenn man dann auch noch merkt, dass sich auch die eigenen Anforderungen an einen Job oder Beruf verändert haben? Wenn du an dem Punkt bist und nicht weißt, ob du den sicheren Job aufgeben sollst, hilft dir vielleicht meine Geschichte.

So kann es nicht weitergehen: Unzufrieden im Job

Meine Entscheidung, den sicheren Job aufzugeben, war keine plötzliche Idee, sondern hatte natürlich eine Geschichte. Jahrelang war die Telekom ein ganz wunderbarer Arbeitgeber für mich. Ich konnte mich dort entwickeln, die Bezahlung war ausgesprochen gut, die Arbeit war anspruchsvoll und hat Spaß gemacht, ich hatte tolle Kollegen.

Aber die letzten Jahre in dem Konzern war mein Job immer uninteressanter für mich geworden. Dadurch fiel es mir zunehmend schwer, mich mit meinem Job zu identifizieren – das kannte ich gar nicht von mir! Ich hatte immer gern im Personalbereich bearbeitet, aber die Strukturen hatten sich verändert.

Wie viele andere Konzerne auch, arbeitet die Telekom kontinuierlich daran, effizienter zu werden und Kosten zu sparen. Prozesse werden vereinheitlicht und Abteilungen zusammengelegt. Daran ist nichts Schlechtes und als Changemanagerin gehörten Veränderungsprozesse zu meinem Alltag. Aber mit der Zeit hatten sich die Rahmenbedingungen für meinen Job so verändert, dass ich immer unzufriedener wurde.

Ich musste mich mehr und mehr an enge Prozessvorgaben halten und hatte nur noch wenig Gestaltungsspielraum. So fühlte ich mich eingeschränkt in meiner eigenen Arbeitsweise und musste immer mehr Energie aufwenden, um es in diesen Strukturen auszuhalten. Die Arbeitsmenge war enorm und ich war ständig erschöpft. Und ich war verunsichert: War ich einfach nicht anpassungsfähig genug? Andere schafften das doch auch! Ich fühlte mich wie eine Versagerin und wurde krank.

Ausstieg auf Umwegen: Jobwechsel innerhalb des Konzerns

Als ich schließlich krank wurde, habe ich die Zeit genutzt, um mir über einiges klar zu werden: Was ist mir eigentlich wichtig, was will ich noch vom Leben? Und: Ist es nicht absurd, in einem Job zu bleiben, der mich nicht erfüllt und weiterbringt?

Was dann aber passierte, brachte diese Gedanken wieder zum Verstummen. Man bot mir eine Führungsposition im Konzern an. Und ich war so happy darüber, dass ich endlich eine Führungsaufgabe übernehmen konnte, dass ich meine Entscheidung nicht sauber prüfte. Den sicheren Job aufgeben ist eben gar nicht so einfach, wenn alte Muster aktiv sind.

Die Entscheidung fiel mir dann aber schnell auf die Füße: Ich fand auch in der neuen Position nicht das, was ich eigentlich gesucht hatte. Ich wollte doch mehr Verantwortung und mehr Gestaltungsspielraum, stattdessen wehte mir der politische Wind hart ins Gesicht.

Die endgültige Entscheidung für den Ausstieg brachte dann das Abfindungsprogramm. Es war attraktiv und gab mir den Freiraum, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Was kann ich und was will ich?

Unsicherheit nach der Kündigung: Warum ein Coaching helfen kann

Als ich ausgestiegen bin, wusste ich zu Anfang nicht, was ich machen wollte: Personalerin in einem anderen Unternehmen? Unternehmensberatung? Eine berufliche Neuorientierung? Ich wusste nur: Es muss etwas mit Entwicklung und Veränderung von Menschen zu tun haben, denn das ist meine Leidenschaft. Meine Fehlentscheidung mit der Führungsposition steckte mir noch in den Knochen und ich hatte große Angst, noch mal einen Fehler zu begehen. Unsicherheit und Angst lähmen aber, wenn es um Entscheidungen geht. Und so habe ich mir professionelle Hilfe für meine eigene berufliche Orientierung geholt.

Im Rahmen eines Karrierecoachings habe ich herausgefunden, was in meiner Biografie der rote Faden ist, was mich antreibt. Ich habe unglaublich viel über mich gelernt. Das war erstaunlich für mich, denn in meinen vielen Fortbildungen ging es immer auch um Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung. Es war also nicht neu für mich. Und trotzdem habe ich im Karrierecoaching viele neue Erkenntnisse gewonnen. Ich habe gelernt, was mich auszeichnet, was mich unverwechselbar macht.

Lesetipp: Hier hat mich die WELT zum Thema So kündigen Sie richtig interviewt

Zweifel an der beruflichen Neuorientierung

Im Coaching haben wir herausgearbeitet, was für mich wichtig ist an einem Job, wie die Rahmenbedingungen sein müssen, damit ich mich wohl fühle. Vor meinem inneren Auge entstand langsam der selbständige Karrierecoach. Und auch, wenn der Karrierecoach alles vereint, was ich gerne mache und auch gut kann, so hatte ich doch zu Anfang meine Schwierigkeiten, mich damit anzufreunden: Mein innerer Kritiker war sehr aktiv in dieser Zeit: „Coaches gibt es doch mehr als Klienten!“ oder „Damit verdient man doch kein Geld!“ – solche Glaubenssätze hätten mich beinahe von meinem Weg abgebracht.

Du hast auch manchmal einen sehr lauten inneren Kritiker? Lies hier nach, wie du ihn – auch für Vorstellungsgespräche – in den Griff bekommst.

Zum Glück hatte ich in dieser Situation einen professionellen Karrierecoach an meiner Seite, die gleich bemerkt hat, dass ich mich mit unhinterfragten Annahmen selbst blockiere. Dank meines Karrierecoachs konnte ich diese Überzeugungen schnell entkräften und endlich mit voller Kraft meine Selbständigkeit aufbauen.

Beruflicher Neuanfang: Von der Personalerin zum Karrierecoach

Als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach verbinde ich nun meine Expertise aus vielen Jahren Personalarbeit mit meiner Leidenschaft, Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen. In der Retrospektive hat es sich also definitiv gelohnt, den sicheren Job aufzugeben. Meine Selbstständigkeit ist die bessere Wahl für mich.

Wenn ich auf meinen eigenen Entwicklungsprozess zurückschaue, dann fügt sich für mich alles logisch zusammen: Ich komme aus dem Personalbereich, dort habe ich viele Kompetenzen und Erfahrungen gesammelt. Beratung und Coaching hat mir in all meinen beruflichen Rollen immer am meisten Spaß gemacht. Es ging also nur darum, das Ganze in einen anderen Kontext zu stellen. Und das Erstaunlichste in meinem eigenen Karrierecoaching war für mich die Erkenntnis, dass ich mich plötzlich daran erinnerte, dass ich schon als kleines Kind immer davon geträumt hatte, andere Menschen in schwierigen Situationen zu beraten.

Der Weg, den ich gegangen bin, ist ein gutes Beispiel: Es kann sich lohnen, den sicheren Job aufzugeben. Nämlich dann, wenn die Bedingungen nicht mehr so sind, dass du in deinem Job zufrieden bist und deine Potenziale nutzen kannst. In einer schwierigen beruflichen Situation kann ein Karrierecoaching die nötigen Strukturen geben, damit du herausfindest, was dir im Job wirklich wichtig ist. Und dann aktiv werden, um den Job zu finden (oder zu kreieren), den du haben willst.

Wir finden Sicherheit auch in anderen Strukturen, es muss sicher nicht der Job sein, den du jetzt hast. Und sei ganz unbesorgt: Ein ungerader Lebenslauf ist kein Makel, sondern eine Chance. Nutz die Potenziale und Stärken, die du hast. Denn dann wirst du wissen: Den sicheren Job aufgeben ist eine Möglichkeit, etwas Neues zu finden, das dich zufriedener und glücklicher macht. Wenn du noch nicht weißt, was das sein könnte, kann ein Karrierecoaching den nötigen Anstoß bringen.

Auch interessiert für dich:

Bewerbung nach dem Burnout, wie geht das?

Du willst dich beruflich neuorientieren? So minimierst du das Risiko zu Scheitern.

Beruflicher Quereinstieg: Erst probieren, dann umsatteln

2 Kommentare zu »Den sicheren Job aufgeben? Wann es sich lohnt, einen neuen beruflichen Weg zu gehen«

  1. Danke für Deinen Beitrag liebe Silke!
    Ich halte gerade ein Seminar zum Thema „Berufliche Orientierung – Perspektiven in der Mitte des Beruflebens“ für einen großen deutschen Automobilkonzern. Einige meiner Teilnehmer stehen genau vor diesen Fragen. Mal sehen, vielleicht lese ich ihnen morgen Deine Geschichte vor. Sie passt gut zu den morgigen Themen – u. A. Werte. „Sich nicht mehr wohlfühlen“ liegt oft an den eigenen Werten und Motiven, die in einem Unternehmen vielleicht nicht mehr gelebt werden können. Dafür Bewusstsein zu schaffen, ist schon mal ein erster, wertvoller Schritt.

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Silke Grotegut sagt:

      Hallo Sandra,
      ja, genau, wenn die eigenen Werte verletzt werden, dann wird es schwer für mich. Ich wusste damals gar nicht, was für mich wichtig ist und ich bin lange gar nicht auf den Gedanken gekommen, mir einen Job zu suchen , der zu MIR passt. Ich habe immer umgekehrt gedacht: wie muss ich sein, damit ich in den Job passe. Und damit fängt das Problem schon an.
      Dir viel Spaß und Erfolg in deinem Seminar. Liebe Grüße – Silke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

Mehr erfahren

Kategorien:


Feed abonnieren

RSS-Feed

Newsletter

Wenn Du regelmäßig Informationen zu Karriere und Bewerbungen, zu meinen neuen Produkten oder Aktionen erhalten möchtest, dann trage dich in den Verteiler ein.


Hinweis: Deine Daten werden ausschließlich zur Verarbeitung Deiner Anfrage genutzt.
Es gelten die Bedingungen unserer Datenschutzerklärung