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Als Mutter erfolgreich bewerben: Darum hast du es schwerer als andere

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Frauen mit Kindern werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – eine der Kernaussagen in einem aktuellen Artikel der Zeit. Hintergrund ist ein Experiment des  Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Dabei wurden 800 Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen im Marketing- und Eventbereich verschickt. Die angegebenen Qualifikationen und Kompetenzen waren immer gleich. Aber die Bewerber unterschieden sich neben dem Geschlecht auch noch in einem weiteren Punkt: Die einen gaben im Lebenslauf ein Kind von 3 Jahren an, die anderen gaben an, sie seien kinderlos.

Die Ergebnisse:

  • Frauen mit Kind wurden deutlich weniger zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
  • Bei Männern war es unerheblich, ob sie ein Kind haben oder nicht. Sie wurden gleich häufig eingeladen.

Ungerecht? Ja, klar! Aber das ist die Realität. Mich überrascht das Ergebnis nicht. Ganz im Gegenteil – es deckt sich zu 100% mit meinen Erfahrungen. Der WDR hat mich dazu im Mittagsmagazin interviewt. Es ging im Wesentlichen um die Frage: Was heißt das jetzt für Mütter, die sich bewerben? Worauf sollten Frauen mit Kindern im Bewerbungsprozess achten?

Unsicherheit beim Bewerbungsprozess: Wie verhalte ich mich richtig?

Aus meinem Coaching weiß ich, dass die Probleme von Müttern beim Bewerbungsprozess vielschichtig sind. Mütter, die sich bewerben, schlagen sich mit verschiedenen Fragen und Gedanken herum:

  • Wie sieht das rechtlich aus? Muss ich meine Kinder angeben?
  • Bin ich dazu verpflichtet, meine Elternzeit darzustellen?
  • Will ich wirklich mit einer Lüge beginnen?
  • Was ist, wenn ich im Vorstellungsgespräch gefragt werde, ob ich Kinder habe?
  • Wird das Arbeitsverhältnis belastet, wenn ich meine Kinder unerwähnt lasse?
  • Ich fühle mich schlecht, wenn ich meine Kinder verheimliche. Es ist, als würde ich sie verraten.
  • Ich habe durch meine Elternrolle gelernt, gut zu organisieren, spontan zu reagieren und flexibel zu sein. Das sind doch Qualitäten, die mich auszeichnen und zu einer besseren Mitarbeiterin machen. Also ist es doch gut, die Mutterschaft anzugeben?

Puh, eine ganz schöne Gemengelage! Als Karrierecoach und ehemalige Personalerin versuche ich mal, Licht ins Dunkel zu bringen. Als ersten Anhaltspunkt kann ich schon mal sagen:

  • Je kleiner die Kinder und die Firma, desto größer ist das „Problem“.
  • Je länger die Erziehungszeit in deinem Werdegang zurückliegt, desto unkritischer.

Als Mutter erfolgreich bewerben: Die rechtliche Seite

Viele meiner Klientinnen sind verunsichert, wie groß ihr eigener Entscheidungsspielraum beim Bewerbungsprozess eigentlich ist. Was darf ich, was muss ich, welche Vorgaben sind zu beachten? Daher hier meine Antworten auf die häufigsten Unsicherheiten im rechtlichen Bereich von Müttern bei der Bewerbung:

Soll ich meine Kinder in der Bewerbung angeben?

Dazu habe ich eine ganz klare Meinung: Verschweig deine Kinder in den Bewerbungsunterlagen! So bitter das ist, aber sonst vergibst du klare Chancen, ins Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Warum das so ist? Ich nenne das immer Kopfkino. Da läuft nämlich bei deinem potenziellen Arbeitgeber folgender Film ab: Kleine Kinder stecken sich in der Kita mit Schnupfen an, bringen Läuse mit nach Hause und schleppen Corona-Viren an. Dann infizieren sie ihre Geschwister – alle schön der Reihe nach natürlich! Und zum Schluss kommen dann Mama und Papa dran.

Der Film handelt auch von streikenden Kitas, von Müttern, die blutende Kinder von der Schule abholen und ins Krankenhaus fahren müssen. Und in diesem Film geht es um Mitarbeiterinnen, die nachmittags nach 15 Uhr für Termine sowieso nicht zur Verfügung stehen. Da werden ganz automatisch alle Ängste und potenziellen Schwierigkeiten im Gehirn aktiviert.

Das muss alles überhaupt nicht stimmen. Vielleicht hast du alles super organisiert und dein Mann übernimmt ganz selbstverständlich die Hälfte aller Kinderaufgaben. Aber all das kann das Unternehmen nicht aus deinen Unterlagen lesen. Dieses Kopfkino kannst du nur schwer entkräften – auch nicht über ein „Betreuung gesichert“.

Wieso ist das mit dem Kopfkino bei Vätern anders?

Laut Studie werden die Männer zum Bewerbungsgespräch eingeladen und zwar unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Das liegt an den unterschiedlichen Bildern von Männern und Frauen in der Gesellschaft.

Der Film im Kopf des Personalers sieht da nämlich ganz anders aus – vermutlich ungefähr so: „Männer wollen doch Karriere machen! Die wollen sich nicht um kranke Kinder kümmern und das müssen sie auch nicht, denn die kranken Kinder wollen doch eh lieber von der Mama betreut werden. Und: Schwanger werden kann der Mann ja auch nicht. Meistens nimmt er noch nicht einmal Erziehungsurlaub. Und wenn dann nur zwei Monate.“

Noch mal: Das ist nicht fair, aber es ist leider in den meisten Fällen immer noch so. In vielen Köpfen ist die Vorstellung und auch die Erwartung, dass selbstverständlich die Frauen den Löwenanteil der Kinderbetreuung übernehmen. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass sich selbst sehr kurze Erziehungszeiten bei Frauen negativ auf die Einladungsquote auswirken?

Aber es hilft dir bei der Bewerbung nicht, dich darüber aufzuregen. In der Bewerbungssituation kannst du nur dafür sorgen, dass du die besten Chancen hast – trotz gesellschaftlichen Vorstellungen, Kopfkino und Ungerechtigkeit.

Gibt es rechtliche Bestimmungen für diese Angabe? Muss ich meine Kinder angeben?

Klares Nein! Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung deine Kinder im Lebenslauf anzugeben. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz darf niemand aufgrund seines Alters, seines Geschlechts, seiner Religionszugehörigkeit, sexuellen Orientierung oder seiner Nationalität, etc. benachteiligt werden. Wenn man der Studie Glauben schenkt, dann passiert aber genau das: Frauen werden benachteiligt, wenn sie Kinder haben.

Daher mein Tipp: Fokussiere dich in deinen Bewerbungen auf das, was für die Position relevant ist. Das sind deine Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrungen in Kombination mit deiner Persönlichkeit.

Die Autorin der eingangs erwähnten Studie schlägt übrigens vor, die persönlichen Angaben im Lebenslauf gesetzlich neu zu regeln. Keine schlechte Idee! Wenn niemand mehr Elternschaft und Familienstand angibt, dann ist ein Diskriminierungsgrund schon mal weg.

Bin ich rechtlich dazu verpflichtet, meine Elternzeit darzustellen?

Auch hier ein klares Nein. Es gibt keine rechtliche Verpflichtung, deine Elternzeit anzugeben. Du hast einen gültigen Arbeitsvertrag und definierte Aufgaben und das stellst du im Lebenslauf dar. Die Erziehungszeiten nicht anzugeben, ist kein Kündigungsgrund, wenn sie dich einmal angestellt haben.

Wenn du über einen längeren Zeitraum beispielsweise wegen Krankheit ausfallen würdest, würdest du das im Lebenslauf ja auch nicht angeben. Aber Vorsicht: In den Zeugnissen wird die Elternzeit häufig erwähnt.

Als Mutter erfolgreich bewerben: Die emotionale Seite

Wie ich anfangs schon erwähnt hatte, ist dieses Thema nicht ganz einfach zu bearbeiten. Es gibt keine perfekte Lösung für jede Bewerberin, daher ist es wichtig, sich auch die andere, die emotionale Seite, genau anzusehen. Immerhin ist auch ein gutes Bauchgefühl für deine Zufriedenheit im Job wichtig. Wenn sich da bereits im Bewerbungsprozess etwas falsch anfühlt, ist das keine gute Ausgangssituation. Hier die häufigsten Sorgen und Ängste von Müttern im Bewerbungsprozess:

Will ich wirklich mit einer Lüge beginnen?

Ich sage nicht, du sollst schreiben: Keine Kinder. Das wäre eine Lüge und das möchte ich wirklich niemandem empfehlen. Es ist aber etwas anderes, die Kinder in den Unterlagen unerwähnt zu lassen, damit du ins Vorstellungsgespräch eingeladen wirst.

Denn wenn du erst einmal im Vorstellungsgespräch bist, dann hast du ganz andere Möglichkeiten, dich darzustellen und deinem potenziellen Chef die Angst zu nehmen, dass du permanent ausfällst. Denk an das Kopfkino beim Personaler, der deine Bewerbungsunterlagen vor sich liegen hat: Indem du deine Kinder in deinen Unterlagen nicht erwähnst, kannst du diesen automatischen Prozess bei deinem zukünftigen Arbeitgeber vermeiden.

Was ist, wenn ich im Vorstellungsgespräch gefragt werde, ob ich Kinder habe?

Verheimlichen kannst du deine Kinder nicht und das würde ich dir auch nicht empfehlen. Spätestens mit der Lohnsteuerkarte erfährt der Arbeitgeber ob du Kinder hast, ob du verheiratet oder geschieden bist. Außerdem reicht manchmal schon ein Blick in die sozialen Medien: Wenn du dich als stolze Mama mit drei kleinen Kindern im Schlauchboot auf dem Wofgangsee präsentierst, weiß doch auch gleich jeder Bescheid.

Also: Beim Bewerbungsgespräch kannst du die Situation offen darstellen und den aufkommenden Ängsten deines Gegenübers mit guten Argumenten entgegenwirken. Jetzt ist der passende Zeitpunkt für die gesicherte Betreuung.

Wird das Arbeitsverhältnis belastet, wenn ich meine Kinder unerwähnt lasse?

Wie gesagt: in den Unterlagen solltest du dir gut überlegen, ob du erwähnst, dass du Mutter bist. Ins Vorstellungsgespräch gehören die Kinder aber schon. Vor allem wenn du schon weißt, dass deine Kinder Einfluss auf deinen Job haben.

Zum Beispiel, wenn du jeden Dienstag um 14:30 Uhr gehen musst, weil die Tagesmutter um 15 Uhr die Pforten schließt, deine Kernarbeitszeit aber bis um 15:00 Uhr geht. In diesem Fall könntest du deinen Vertrag nicht erfüllen und das muss vorher besprochen werden. Das heißt ja nicht, dass es dafür keine Lösung geben kann.

Ich fühle mich schlecht, wenn ich meine Kinder verheimliche. Es ist, als würde ich sie verraten.

Ich kann dieses Gefühl nachvollziehen. An dieser Stelle frage ich meine Klientinnen immer:

Wovon haben die Kinder mehr? Wenn du sie in der Unterlage erwähnst oder wenn du eine Position bekommst, die das Familieneinkommen sichert und in der du deine Kompetenzen ausleben kannst und damit eine zufriedenere Mama wirst?

Es geht hier nicht darum, was richtig oder falsch ist, sondern schlichtweg darum, deine Chancen auf ein Vorstellungsgespräch zu verbessern. Du kannst nichts an der Reaktion deines potenziellen Chefs ändern, daher sorg dafür, dass er sich bei der Sichtung deiner Bewerbungsunterlagen auf die wichtigen Dinge konzentrieren kann: Deine Qualifikationen und Erfahrungen.

Macht mich die Mutterrolle nicht zu einer besseren Mitarbeiterin?

Es gibt die Idee, dass Mütter durch die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen ihrer Elternrolle neue Qualifikationen erwerben und dadurch wachsen. Das stimmt sicher auch; es kann gut sein, dass du in Sachen Organisation wahre Meisterleistungen vollbringst, weil du Familie und Beruf unter einen Hut bekommst. Und diese Qualifikationen machen dich sicher auch zu einer guten Mitarbeiterin.

Nur: Gut organisieren können auch Frauen ohne Kinder. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Müttern. Und wenn ich als Arbeitgeber die Wahl habe, entscheide ich mich aus ökonomischen Gründen im Zweifel eher für eine Frau ohne Kinder. Es ist sicher ungerecht, aber darum geht es hier eben nicht. Es geht darum, wie du als Mutter im Bewerbungsprozess das Beste aus deiner Situation herausholst.

Ich will meine Kinder unbedingt/auf keinen Fall im Bewerbungsprozess erwähnen – worauf kann ich achten?

Wie so häufig im Leben ist auch der Umgang mit Kindern in der Bewerbung eine Sache der Haltung. Niemand zwingt dich, deine Kinder darzustellen oder zu verheimlichen. Da gibt es kein richtig und kein falsch. Meine Erfahrung ist: Wenn du dir klar bist, dann kannst du deinen Standpunkt auch gut vertreten. Und dann ist das für dein Gegenüber auch in der Regel kein Problem.

Kinder in den Bewerbungsunterlagen erwähnen: So geht’s am besten

Meine Haltung zu diesem Thema ist sicher klar geworden. Wenn du dich dennoch dazu entscheidest, deine Kinder in die Bewerbungsunterlagen aufzunehmen, kannst du das natürlich tun. Denn klar, sie gehören zum Leben selbstverständlich dazu. Aber sei dir bewusst, dass du dich wahrscheinlich häufiger bewerben musst als Frauen ohne Kinder. Einfach aufgrund des Kopfkinos.

Hier sind ein paar Tipps für dich, wie du deine Kinder am besten in die Bewerbung aufnimmst:

Persönliche Angaben:

Weniger hilfreich: Geschieden, 3 Kinder, alleinerziehend

Besser: 3 Kinder (Betreuung ganztags gesichert)

Wo ordnest du die Elternzeit ein:

  • Bei bestehendem Arbeitsverhältnis in die jeweilige berufliche Station als Unterpunkt. Möglichst nicht fett und unterstrichen in Schriftgröße 18.
  • Leg den Fokus auf Weiterbildungen in der Zeit.
  • Wenn du während der Zeit nicht angestellt warst, kannst du die Zeit auch weiter hinten im Lebenslauf unter einer eigenen Rubrik aufführen. Nachteil: Es entsteht im Lebenslauf eine Lücke.

Reaktion auf die Frage nach Kindern im Vorstellungsgespräch

Wenn du der Meinung bist, deine familiäre Situation ginge den zukünftigen Arbeitgeber nichts an, dann ist auch das eine klare Haltung. Denn letztlich hat es ja wirklich nichts mit deiner Qualifikation für die Position zu tun, ob du Mutter bist oder nicht.

Wenn du nun im Vorstellungsgespräch gefragt wirst, warum du deine Kinder verheimlicht hast, wäre meine Argumentation immer:

„Was haben meine Kinder mit meiner Qualifikation zu tun? Ich habe die entsprechende Ausbildung, die notwendige Kompetenz und Erfahrung – mit oder ohne Kinder.“

Ob du deine Kinder angibst oder nicht: Beide Wege sind wie immer mit Chancen und Risiken verbunden.

Solltest du dir unsicher sein, was in deiner individuellen Situation der beste Weg ist, nimm Kontakt mit mir auf. Gemeinsam finden wir einen Weg, wie du mit der Situation professionell im Bewerbungsprozess umgehen kannst.

Hier kannst du das Interview hören:

 

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Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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