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Lebenslauf schreiben: 11 HR-Profi-Tipps

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Der Lebenslauf ist viel wichtiger als das Anschreiben, er ist das Herzstück, der absolut wichtigste Teil in der ganzen Bewerbung. Viele Bewerber verwenden Stunden auf die Formulierung eines Anschreibens und schenken dem Lebenslauf keine besondere Aufmerksamkeit. Das ist ein großer Fehler. Wieso du deinem Lebenslauf mehr Beachtung schenken solltest, erkläre ich dir in diesem Blogartikel.

2-3 Minuten habe ich mir für eine Bewerbung genommen, als ich noch als Personalerin gearbeitet habe. Es kommt also darauf an, dass du im Lebenslauf ganz schnell klar machst, dass du die Anforderungen des Unternehmens erfüllst. Je gezielter du deine Unterlagen also auf die Ausschreibung abstimmst, desto besser. Das gilt insbesondere für den Lebenslauf, denn der wird als erstes gelesen. Das Anschreiben wird in der Regel nur gelesen, wenn du von deiner Qualifikation und deiner Berufserfahrung her interessant für die Stelle und das Unternehmen bist.

Die größten Irrtümer vorweg

  1. Der Lebenslauf muss möglichst viele Informationen enthalten!
    FALSCH: Der Lebenslauf muss alle wichtigen Informationen enthalten. Was für den einen Arbeitgeber interessant ist, kann für den anderen unbedeutend sein.
  2. Die Bewerbung entscheidet über deine Einstellung!
    FALSCH: Die Bewerbung und der CV dienen ausschließlich dazu, ins Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Im Vorstellungsgespräch hast du dann die Gelegenheit, dich ausführlicher vorzustellen.

11 Tipps, damit der Personaler beim Lesen nicht einschläft.

1. Für jede Bewerbung ein eigener und angepasster Lebenslauf

„Was? Das ist doch viel zu aufwendig!“ So schwierig ist es gar nicht, wie du vielleicht glaubst. Und der Invest lohnt sich in jedem Fall, denn jede Ausschreibung stellt andere Anforderungen an den Bewerber. Daher solltest du dir unbedingt die Mühe machen, deinen Lebenslauf auf die konkrete Ausschreibung anzupassen. Und sieh es mal so: Du möchtest, dass dir jemand im Jahr z.B. 100.000, – € brutto zahlt. Da erwartet ein Unternehmen schon, dass du dir die Mühe machst, darzulegen, was du für die konkrete Stelle mitbringst.

Mein Tipp: Mach dir eine ausführliche Lebenslauf Vorlage. Die kann ruhig sieben Seiten haben. Darin führst du jede Kleinigkeit auf, die du in der jeweiligen Position gemacht hast. Und aus dieser Vorlage bedienst du dich dann.

2. Beschränke dich auf das Wesentliche im Lebenslauf

Zwei Seiten, länger sollte dein Lebenslauf nicht sein. Denke immer an den Personaler, der nur wenig Zeit hat, sich ein Bild von dir zu machen. Je übersichtlicher du den Lebenslauf gestaltest und je besser es dir gelingt, die Angaben auf das Wesentliche zu reduzieren, desto besser wird der Personaler abspeichern, was dich für die ausgeschriebene Stelle qualifiziert.

Für Managementbewerbungen gelten andere Regeln. Hier sind längere Lebensläufe akzeptiert und sogar gewünscht, ansonsten aber gilt: zwei Seiten.

Mein Tipp: Fasse mehrere Positionen zusammen, wenn du dich schwertust, dich auf zwei Seiten zu beschränken. Wenn du beispielsweise 5 Jahre mehrere kurze Jobs gemacht hast, könntest du das folgendermaßen lösen: 2000 – 2005 Servicekraft, Einzelhandelsverkäuferin, Altenpflege.

3. Wie du herausfindest, was wesentlich für den Lebenslauf ist

Vielleicht fragst du dich jetzt: „Was ist denn das Wesentliche? Woher soll ich denn wissen, was das Unternehmen interessiert, bei dem ich mich bewerbe?“

Zum einen geht das aus der Stellenbeschreibung hervor. Der erste Schritt ist daher eine gründliche Stellenanalyse. In dieser arbeitest du heraus, was du für das Unternehmen und die aufgeführten, konkreten Anforderungen zu bieten hast. Am besten erstellst du dazu eine Tabelle, in der du die Stellenanzeige Punkt für Punkt durchgehst und deine ganzen Erfahrungen dazu aufführst. Die Erfahrungen können auch aus dem privaten Bereich sein

  • Internationales Unternehmen: Erfahrung in einem EMEA-Bereich
  • Automobilbranche: Erfahrungen in der Automobilzulieferer-Branche
  • Projekterfahrung: Hausbau, Leitung Organisationsentwicklungsprojekt „Go for IT“

Auf diese Weise machst du dir klar, was du an Erfahrung für die Stelle mitbringst. Das ist meistens mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Außerdem bekommst du ein Gefühl dafür, was für die Position wichtig ist und worauf du dich im Lebenslauf fokussieren solltest.

Mein Tipp: Versetze dich in die Lage eines Personalers oder einer Führungskraft. Wenn du in dieser Firma diese Stelle zu besetzen hättest, worauf würdest du bei der Besetzung achten? Was müsste der Bewerber für dich mitbringen?

4. Aufbau des Lebenslaufes: Klare Rubriken und davon möglichst wenige

Der klassische Lebenslauf ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Persönliche Angaben
  • Beruflicher Werdegang
  • Praktika, Auslandserfahrung
  • Studium, Schule, Ausbildung
  • Weiterbildungen
  • Besondere Kenntnisse wie Sprachen und IT
  • Hobbys oder Interessen

Mein Tipp: Beschränke dich auf möglichst wenige Rubriken. Und stell dir bei jedem Punkt wieder die Frage: Ist das relevant? Wenn du schon 25 Jahre Berufserfahrung hast, dann sind deine Praktika sicherlich nicht mehr interessant.

5. Persönliche Angaben im Lebenslauf: Achtung, aufpassen!

Manche persönlichen Angaben können dir schaden, daher solltest du ein besonderes Augenmerk darauf legen. Die gute Nachricht ist: nicht alle sind „verpflichtend“. Überlege dir immer: was ist für den potentiellen Arbeitgeber wichtig?

Zu den persönlichen Angaben gehört:

  • Name
  • Geburtsdatum und Ort (optional)
  • Anschrift
  • Telefon
  • E-Mail-Adresse
  • Nationalität (optional)
  • Familienstand (optional)
  • Anzahl der Kinder (optional)
  • Religionszugehörigkeit (optional)

Auch, wenn das Allgemeine Gleichbehandlungs-Gesetz (AGG) es verbietet, jemanden aufgrund von Nationalität, Alter, Geschlecht, politischer Gesinnung, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung zu benachteiligen: im Alltag passiert es leider doch. So kommt es durchaus vor, dass Kandidaten, die von ihrer Qualifikation her eigentlich sehr gut passen, abgelehnt werden. Unbewusste, tiefsitzende Vorurteile führen immer wieder dazu, dass Kandidaten gar nicht erst eingeladen werden, wenn sie beispielsweise einen ausländischen Namen haben.

Anonyme Bewerbungen haben sich nicht durchgesetzt. Schade eigentlich, denn es ist immer noch so, dass Mütter, ältere Bewerber oder Bewerber mit Migrationshintergrund es deutlich schwerer haben, zu Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden, wenn sie alles brav angeben. Müttern mit kleinen Kindern rate ich daher eher davon ab, die Kinder in den Lebenslauf mit aufzunehmen.

Mein Tipp: Achtung!! Pass gut auf, was du von dir preisgibst und fokussiere dich bei den persönlichen Daten auf das, was wirklich wichtig ist. Dass du verheiratet bist und die Anzahl deiner Kinder sagt nichts über deine Qualifikation aus. Diese Informationen kannst du auch im Vorstellungsgespräch noch einfließen lassen, aber mit deiner fachlichen Eignung für die Position hat das nichts zu tun.

6. Beruflicher Werdegang: Viel über dich, wenig über die Firmen

In manchen Lebensläufen erfahre ich mehr über die Firmen, für die jemand gearbeitet hat, als über den Bewerber selbst. Aber: Branche, Produkte, Firmengröße und sonstige Randinfos kannst du ganz getrost weglassen. Für einen potenziellen Arbeitgeber ist es doch viel wichtiger zu erfahren, welche Funktion und Position du in der Firma hattest und welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten damit verbunden waren.

Ausnahme sind Managementbewerbungen. Wenn du dich als Geschäftsführer bewirbst, dann ist es natürlich interessant, in welchen Größenordnungen und Branchen die Unternehmen waren, die du bislang geführt hast.

Mein Tipp: Fasse dich kurz bei den Angaben zu den Firmen. Der Name und der Ort reichen vollkommen aus.

7. Verständliche Positionsbezeichnungen

Firmen können sehr erfinderisch in der Wahl ihrer Positionsbezeichnungen sein. Aber unter HR Supervisor kann man sich allerhand vorstellen oder eben auch nichts. Für den Personaler und die einstellende Führungskraft ist es aber wichtiger zu verstehen, was du genau gemacht hast, als die originale Positionsbezeichnung zu erfahren. Besser als „HR Supervisor“ ist: „Leiter Personalverwaltung“.

In kleinen Unternehmen ohne eigene Personalabteilung werden Arbeitsverträge nicht immer zeitnah angepasst, wenn ein Mitarbeiter die Stelle wechselt oder mehr Verantwortung bekommt. So hatte ich letztens eine Klientin, die im Controlling als Sachbearbeiterin eingestiegen ist. Innerhalb von 10 Jahren war sie zur Leiterin aufgestiegen und hat mehrere Mitarbeiter geführt. Laut Vertrag war sie jedoch immer noch Sachbearbeiterin. Sich im Lebenslauf dann als Sachbearbeiterin darzustellen ist dann zwar konsistent zum Arbeitsvertrag, aber der Leser kann sich von der Qualifikation des Bewerbers keine Vorstellung machen. Sind die Positionsbezeichnungen nicht selbstsprechend oder, wie im Fall der Controllingleiterin nicht zutreffend, dann besteht die Gefahr, dass du als Bewerber ein falsches Bild von dir abgibst: du wirst unter- oder überschätzt oder wirst einfach für den Leser nicht greifbar.

Mein Tipp: Trau dich ruhig von der Positionsbezeichnung im Arbeitszeugnis oder Arbeitsvertrag abzuweichen. Im Vorstellungsgespräch kannst du deine vertragsmäßige Positionsbezeichnung in der Selbstpräsentation einfließen lassen.

8. Studium, Schule, Ausbildung: Was muss in den Lebenslauf?

Reduce tot he max. Je weiter deine Zeit der Schule und Ausbildung oder des Studiums zurückliegt, desto unwichtiger sind diese Angaben.

Mein Tipp: Fasse Schule, Ausbildung und Studium gerne in eine Rubrik zusammen und kürze es soweit wie möglich. Niemanden interessiert, welche Leistungskurse und welche Note du im Abi vor 30 Jahren erzielt hast. Auch das Thema der Abschlussarbeit im Studium kannst du getrost weglassen, es sei denn, es zahlt auf die angestrebte Position ein.

9. Weiterbildungen im Lebenslauf

Fokussiere dich auf die wichtigsten und die aktuellsten Weiterbildungen. Alle Weiterbildungen, die einen Mehrwert für die angestrebte Position darstellen, sind wichtig und die solltest du aufnehmen. Weiterbildungen von vor 10 Jahren sind veraltet. Das gilt vor allem, wenn du erkennbar das Erlernte in deinem Beruf nicht anwenden konntest. Beispielsweise wenn du eine Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit gemacht hast, dein Marketingjob aber diese Aufgabe nicht umfasst.

Mein Tipp: Fokussiere dich auf etwa vier bis fünf aktuelle und wichtige Weiterbildungen.

10. Hobbies: Essen, Lesen, Schlafen

So langweilig kommen häufig die Hobbies und Interessen in Lebensläufen daher. Damit inspirierst du wirklich niemanden, dich zum Vorstellungs-Gespräch einzuladen. Wie du es besser machen kannst:

  • Ambitionierte Tangotänzerin statt Tanzen
  • Südamerikanische Länder bereisen statt Reisen
  • Schwedische Krimis statt Lesen

Mein Tipp: Wenn du Hobbys aufnimmst, dann stelle sie so konkret und interessant dar, dass beim Leser ein Bild im Kopf entsteht.

11. Lebenslauf unterschreiben?

Deine Unterschrift gibt deinem Lebenslauf eine persönliche Note. Auch wenn die Unterschrift in der digitalen Zeit nicht mehr notwendig ist, sieht der Lebenslauf aus meiner Sicht wertiger aus, wenn du ihn unterschrieben hast.

Mein Tipp: Scanne deine Unterschrift in einer guten Qualität ein. Dann bettest du die Unterschrift in deinen Lebenslauf ein, fügst noch das aktuelle Datum hinzu. Schon unterstreichst du, dass du den Lebenslauf konkret für die ausgeschriebene Stelle erstellt hast.

Du hast Fragen oder Anmerkungen? Ergänzungen und weitere gute Tipps zum Thema Bewerbung? Schreib mir gern einen Kommentar oder eine E-Mail!

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Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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