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Netzwerken lernen

Viele Stellen erscheinen gar nicht erst auf dem offenen Stellenmarkt, sie bleiben auf den sogenannten verdeckten Stellenmarkt. Mehr als die Hälfte aller Stellen wird durch Kontakte aus dem Netzwerk besetzt, wenn man den Statistiken Glauben schenkt. Aber wie bekommst du Zugang zum verdeckten Stellenmarkt? Denn eins ist klar, wer sich bei der Stellensuche ausschließlich auf den offenen Stellenmarkt konzentriert, der lässt wertvolles Potential liegen. Du bist nicht so der Netzwerker? Kein Problem: Netzwerken kannst du lernen!

Suchst du noch, oder wirst du bereits gefunden?

Networking kann ein richtiger Karriere-Booster sein. Firmen gehen heute schon aktiv auf ihre eigenen Mitarbeiter zu, um in deren Netzwerk potentielle Mitarbeiter zu finden. Mitarbeiter bekommen Prämien, wenn sie beispielsweise einen ehemaligen Kollegen empfehlen und es zur Vertragsunterzeichnung kommt. Firmen durchforsten das Netz auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern. Active Sourcing nennt man das.

Vor diesem Hintergrund halte ich es für grob fahrlässig, wenn du dein Netzwerk bei deiner Stellensuche links liegen lässt. Das gilt insbesondere, wenn du eine Führungskraft bist! Außerdem ist es ist heute so leicht wie nie, das eigene Netzwerk systematisch auszubauen und zu pflegen. Wenn du dich schwer tust mit dem Netzwerkgedanken oder keine Idee hast, wie du dein Netzwerk aufbauen und nutzen kannst.

Netzwerken hat nichts mit klüngeln zu tun

Manager besticht durch Geld

Netzwerken hat nichts mit Bestechung, Filz oder Klüngelei zu tun.

  • Ich will keinen Job über Vitamin B
  • Mir liegt das klüngeln nicht so
  • Ich will keinen Job geschenkt
  • Ich habe kein Netzwerk

Die Vorbehalte gegenüber dem Netzwerken oder dem sogenannten Vitamin B sind viel vielfältig. Wenn dich auch diese Gedanken beschäftigen, dann kann ich dich beruhigen. Würde ein Unternehmen dich einstellen, um dir oder einem Bekannten einen Gefallen zu tun? Das halte ich für sehr unwahrscheinlich! Die Einstellung eines Mitarbeiters ist kostspielig, z.T. sehr kostspielig. Wenn du nicht gerade in der Mafia tätig bist (und davon gehe ich aus), wirst du eingestellt, weil du entsprechende Kompetenzen und Erfahrungen mitbringst und man dir eine Aufgabe zutraut – auch, wenn der Erstkontakt über einen deiner Bekannten gekommen ist. Im Familienumfeld mag das vielleicht hin- und wieder mal anders sein. Aber ich kenne keinen Unternehmer, der für einen Gefallen so einen Haufen Geld auf den Tisch legt.

Netzwerken kannst du lernen

Netzwerk-Aufbau bedeutet Arbeit. Da will ich nichts beschönigen. Kontakte finden, Verbindungen schaffen kostet Energie. Und das Wichtigste ist: es lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen.

Aber der Einsatz lohnt sich! Ein gutes Netzwerk versorgt dich mit

  • Informationen,
  • Wissen,
  • Kontakten,
  • Erfahrungen.

In einem Netzwerk findest du Unterstützer und Mitstreiter, die dir helfen können, dein Vorhaben umzusetzen, ob du nun einen neuen Job finden willst, oder ob du dich selbständig machen möchtest. Dein Netzwerk bietet dir die Gelegenheit, deine eigene Sichtbarkeit und die deines Vorhabens zu erhöhen. Nicht mehr und nicht weniger. Alles weitere hängt von dir ab! Von deiner Qualifikation, deiner Erfahrung, deiner Persönlichkeit und wie du dich im direkten Kontakt selbst präsentierst. Das heißt, deine Netzwerkkontakte können dir einen Kontakt zu einem potentiellen Arbeitgeber herstellen. Sie können dir aber keinen Job besorgen.

Wichtig ist, dass du ein Netzwerk hast, wenn du es benötigst. Du kannst also nicht früh genug damit anfangen, dein Netzwerk systematisch aufzubauen. Aber wie läuft das ganz praktisch? Wie baust du dein berufliches Netzwerk auf? Kann man Netzwerken wirklich lernen?

Ein berufliches Netzwerk aufbauen: vier hilfreiche Methoden

1) Systematisch Kaffeetrinken

Zwei Kaffeetassen auf einem Tisch

In lockerer Atmosphäre lassen sich Kontakte leicht aufbauen und pflegen. Foto: Canva

Der ultimative Einsteiger-Tipp für alle, die mit Netzwerken noch nicht viel am Hut haben: Das „systematische Kaffeetrinken“.

Lars Hahn beschreibt damit eine Art von Netzwerken, die lockerer an den Aufbau rangeht und bei der du deine individuelle Stärke einsetzen kannst. Beim Kaffeetrinken lassen sich leicht Kontakte knüpfen oder pflegen. Und wenn dir ein fachlicher Austausch mehr liegt als Smalltalk, dann läuft deine Netzwerk-Strategie halt über das Führen von Fachgesprächen.

Der Vorteil vom systematischen Kaffeetrinken ist: das ist nett und entspannt und im Plausch beim Kaffeetrinken hat jeder Erfahrung. Nichts, was dir also Angst machen müsste. Aber es geht halt nicht nur um Kaffeetrinken, sondern um den systematischen Auf- und Ausbau deines Netzwerkes.

Lars Hahn gibt dazu diverse Tipps. Hier eine Zusammenfassung:

  • Systematisch alle Personen aufschreiben, die dich in deinem Leben schon ein Stück begleitet haben. Und er meint damit wirklich alle!
  • Dann wählst du die Personen aus, die für deine Ziele interessant sind und mit denen du gerne ein Gespräch führen würdest.
  • Spannende Gesprächspartner ausfindig machen, beispielsweise über Social Media und dabei auch die Kontakte der Kontakte miteinzubeziehen
  • Ohne Akquise-Gedanken an die Kontaktaufnahme und an die Gespräche herangehen. Netzwerken bedeutet, neugierig zu sein und den eigenen Horizont erweitern.
  • Wichtig: Alle Gesprächspartner sollen von dem Gespräch profitieren, nicht nur du!
  • Dranbleiben! Geduld haben!

2) Netzwerk-Canvas

Ute Blindert ist Netzwerk-Expertin und hat das Netzwerk-Canvas entwickelt. Es dient dazu, dir erst einmal einen generellen Überblick über dein Netzwerk-Vorhaben zu verschaffen und hilft dir, deine Ziele konkret zu benennen. Insbesondere, wenn du dich bislang mit dem Netzwerken schwer getan hast, hilft es dir, unübersichtliche Vorhaben in beherrschbare Schritte zu untergliedern und den Netzwerk-Aufbau strategisch anzugehen.

  • Was ist dein Ziel? In welchem Unternehmen(styp) möchtest du arbeiten?
  • Was bringst du bereits mit? Was fällt dir leicht?
  • Was willst du an Ressourcen einsetzen (Zeit, Geld, Knowhow)
  • Welche Kanäle könnten für dich sinnvoll sein?
  • Unter welchen Keywords möchtest du gefunden werden?
  • Was möchtest du unbedingt ausprobieren?

Bei Ute Bilder kannst du ein Netzwerk-Canvas herunterladen.

Sie hat übrigens ein ganzes Buch zum Thema Netzwerken geschrieben, das ich dir wirklich empfehlen kann: Per Netzwerk zum Job. Darin setzt sie sich ausführlich mit online- und offline Networking auseinander und gibt wirklich hilfreiche und praktische Tipps.

3) Netzwerken in der agilen Karrieregestaltung

„Ich habe kein Netzwerk!“ Das stimmt nie! Jeder hat ein Netzwerk! Denk nur mal an deine ganzen Freunde, Vereinskollegen und aktuelle sowie ehemalige Arbeitskollegen. Wenn du die mal alle schriftlich festhältst und dich mit ihnen über die sozialen Netzwerke verbindest, wirst du feststellen, dass du bereits ein großes Netzwerk hast. Aber natürlich ist nicht jeder deiner Kontakte für alle Fragestellungen gleichermaßen geeignet. Und schon gar nicht ist jeder ein potentieller Stellenvermittler.

Gesa Weinand beschreibt in ihrem Buch „Agile Karrieregestaltung“ wie du systematisch dein Netzwerk durchforstest. Dazu hat sie einen Fragenkatalog entwickelt, mit dem du deine Kontakte sortierst und klassifizierst:

  • Wen kenne ich?
  • In welcher Arbeitsbeziehung standen wir?
  • In welcher Arbeitssituation hat die Person mich erlebt?
  • Wie ist die Qualität der Beziehung?
  • Welche Kontakte hat mein Kontakt
  • Wen spreche ich an? (Prioritäten setzen)
  • Wo sind gute Gelegenheiten, diesem Menschen zu begegnen?
  • Welche Themen eignen sich für den Gesprächs-Einstieg?
  • Wonach frage ich?
  • Wo werden meine Fähigkeiten gebraucht?
  • Was kann ich für die Kontaktperson tun?

Für jedes deiner Vorhaben kannst du dann deine Kontakte in folgende Netzwerk-Gruppen einteilen:

  • Informationsgeber: haben im weitesten Sinne Bezug zu deinem Vorhaben
  • Multiplikatoren: haben selbst große Netzwerke und können Vorhaben bekannt machen. Hier kannst du den Schneeball-Effekt nutzen
  • Referenzgeber: könne deine Leistung, deine Arbeit und dich in der Zusammenarbeit beurteilen
  • Potentielle Arbeitgeber: entscheiden über Einstellungen

4) Working Out Loud von John Stepper

Das ist ein innovatives Format für den einfachen Aufbau eines tragfähigen Netzwerkes. John Stepper hat dieses Konzept entwickelt, das sich vom herkömmlichen Netzwerken etwas unterscheidet. „Anstatt Netzwerke zu knüpfen, um etwas zu erreichen, investierst du in Beziehungen. Dazu leistest du im Laufe der Zeit Beiträge, einschließlich deiner Arbeit und Erfahrungen, die dich sichtbarer machen.“ So beschreibt des John Stepper auf seiner Internetseite.

John Stepper hat dazu ein eigenes Konzept entwickelt. Unter Workingoutlout.com stellt sogar einen ausführlichen Leitfaden zur Verfügung, wie du sukzessive dein Netzwerk erweiterst, indem du andere an deinem Wissen und deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

Und so funktioniert das Ganze: Bei Es tun sich jeweils vier bis fünf Menschen zusammen, die, jeder für sich, ein Ziel erreichen wollen und die sich gegenseitig dabei unterstützen. Mit Hilfe des strukturierten Leitfadens lernst du gemeinsam in der Gruppe, dein eigenes Ziel systematisch anzugehen und quasi nebenbei dein Netzwerk aufzubauen. Die Anleitung besteht aus Übungen und Aufgaben, die dir helfen, dich sichtbarer zu machen, dich zu positionieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Du lernst, wie du Kontakte zu Personen herstellst, die bereits dort sind, wo du gerne hinmöchtest.

Neugierig? Dann schau dir den TED Talk mit John Stepper an.

Netzwerken lernen leicht gemacht

  • Egal, an welchem Punkt du dich befindest, wichtig ist, dass du einfach anfängst.
  • Fang klein an. Kleine Schritte sind vollkommen ok. Finde heraus, welche Art von Netzwerken für dich die passende ist.
  • Dabei ist die Qualität wichtiger als die Anzahl deiner Kontakte. Was helfen dir viele Kontakte, wenn die mit dir oder dem, was du erreichen möchtest nichts zu tun haben?
  • Egal, für welche Methode du dich entscheidest, die Hauptsache ist: du hast Spaß dabei! Denn nur dann wirst du dein Netzwerk kontinuierlich ausbauen.
  • Es darf leicht sein. Netzwerken ist keine Schwerstarbeit. Wenn du das so empfindest, dann hast du die richtige Methode für dich noch nicht gefunden. Probiere einfach mehrere Methoden aus oder entwickele deinen eigenen Stil.
  • Netzwerken lebt vom Geben und Nehmen. Wer einfach nur absahnen will, ist kein Netzwerker. Wenn du dein Wissen und deine Erfahrungen großzügig teilst, dafür etwas zurück bekommen.

Wie ist das bei dir? Bist du ein Netzwerker? Wie baust du dein Netzwerk auf? Was funktioniert für dich, was macht dir Spaß? Schreib mir direkt einen Kommentar. Ich bin auch nicht der Experte und freue mich über neue Anregungen.

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Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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