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Quereinstieg? 4 ultimative Tipps für deinen beruflichen Neustart

Aktualisiert am

Der erste ist etwas ganz besonderes.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Job?

Ich war 27 als ich nach meinem Studium meinen ersten Arbeitsvertrag unterschrieben habe. Zwei Monate später wusste ich, dass ich auf das falsche Pferd gesetzt hatte. Damals war ich Projektleiterin für Altlastensanierung. Schon in der Schule wollte ich unbedingt etwas „mit Umweltschutz“ machen. Jetzt war ich endlich da wo ich hin wollte und dachte, ich könnte voller Elan meine Karriere  starten. Stattdessen musste ich einsehen:

Das, was ich gut kann, ist in diesem Job gar nicht gefragt.

Und das, was es braucht, um den Job gut machen zu können, bringe ich gar nicht mit.

Sechs Jahre hatte ich studiert, um in diesen Job zu kommen. Sollte das alles für die Katz gewesen zu sein?

Desaster!

Dachte ich zumindest.

Aber so, wie es mir ergangen ist, so ergeht es fast 50 % aller Arbeitnehmer. Ungefähr die Hälfte wechselt irgendwann in ihrem Berufsleben den Job und macht etwas ganz anderes, als ursprünglich mal erlernt.

Ich zeige dir in diesem Beitrag:

  • mit welchen Hürden du bei einem Quereinstieg rechnen musst,
  • welche Bewerbungsstrategien für Quereinsteiger gut funktionieren,
  • und was die Besonderheiten bei Bewerbungen für Quereinsteiger sind.

Der Wunsch nach etwas ganz Neuem kann ganz unterschiedliche Gründe haben.

Ungefähr die Hälfte sattelt im Laufe ihres Arbeitslebens auf etwas anderes um, als sie ursprünglich gelernt haben. Hier die Hitliste:

  • Mein Beruf ist zu langweilig.
  • Mein Job ist zu stressig.
  • Mein Job macht keinen Spaß, ich finde ihn sinnlos.
  • Meine Kompetenzen passen nicht zu meiner Aufgabe.
  • Mein Job passt nicht zu meiner aktuellen Lebensphase.
  • Meine Stelle ist weggefallen durch Pleite, Digitalisierung oder ähnliches.
  • Ich bin zu alt, zu teuer, zu spezialisiert, …

Was auch immer der Grund ist – ein neuer muss Job her! Und am besten auch etwas ganz anderes: vom Bankkaufmann zum Heilpraktiker, vom Ingenieur zum Erzieher, vom Arzt zum Schreiner, vom Geschäftsführer zum Lehrer. Zumindest verbinden viele den beruflichen Quereinstieg mit so einem radikalen Wechsel.

Aber so drastisch muss der Wechsel gar nicht sein. Als Quereinsteiger wird bezeichnet, wer eine Tätigkeit ohne die sonst übliche Ausbildung aufnimmt.

Du möchtest ein paar Beispiele? Gerne!

Eine Sachbearbeiterin in der Buchhaltung, die zur Führungskraft aufsteigt, das ist bereits ein Quereinstieg. Denn statt Rechnungen zu verbuchen, liegen die Schwerpunkte als Abteilungsleiterin darin, Personal zu führen und eine Abteilung strategisch auszurichten.

Oder nehmen wir mich: Ich war viele Jahre im Konzern als Personalerin tätig und habe ganze Bereiche durch strategische Veränderungsprozesse begleitet. Heute berate ich als freiberuflicher Karrierecoach Führungskräfte und Akademiker, die sich einen neuen Job wünschen.

Oder ein guter Freund von mir. Er ist Chemiker und hat viele Jahre Anlagen für die Produktion von Farben und Klebstoffen geplant und gebaut. Heute ist er im Vertrieb und verkauft diese Anlagen in der ganzen Welt. Auch das ist ein Quereinstieg, weil er in seiner neuen Tätigkeit zwar auf seine Erfahrung als Anlagenbauer aufsetzt, aber in seiner neuen Tätigkeit ganz andere Kompetenzen wie die Fähigkeit zu überzeugen, Vertrauen aufbauen oder Verhandeln nutzt.

Die meisten Quereinsteiger findet man übrigens in Berufen, bei denen es eher auf Persönliche Kompetenzen als auf Fachkompetenz ankommt. Darunter fallen beispielsweise Bereiche wie:

  • Personal
  • Logistik (z.B. Reisebegleiter bei der Deutschen Bahn)
  • Administration (Assistenz-Funktionen)
  • Vertrieb
  • Kundenbetreuung (z.B. in Call Centern oder am Empfang)

Welche Hürden bei einem Quereinstieg auf dich warten

Wenn du „Quereinsteiger Jobs“ bei Google eingibst, wirft dir die Jobbörse von Google unzählige Angebote aus. Alleine in Bonn am Tag meiner Recherche (06.03.) über 100 Angebote. Man könnte daher meinen, ein Quereinstieg ist ein Spaziergang. Ist es aber nicht.

Je weiter du dich von deiner Expertise entfernst, desto dünner wird die Luft und desto anspruchsvoller wird der Quereinstieg. Warum das so ist?

  1. Fach- und Branchenexpertise haben insbesondere in Deutschland immer noch ein hohes Gewicht.
  2. Arbeitgeber stehen Quereinsteigern häufig kritisch gegenüber, weil sie deren Motivation misstrauen.

Das  soll nicht heißen, dass ein radikaler Quereinstieg aussichtslos ist. Aber je weiter du dich von deiner Fachkompetenz entfernst, desto anspruchsvoller wird es. Mit einer 08/15 Bewerbungsstrategie kommst du da nicht weit, denn ein Neustart in einem ganz anderen Bereich ist erklärungsbedürftig.

Grafik mit 3 Kreisen: Radikaler Wechsel, Karriere in Reihe, Fachkompetenz

 

Ich unterscheide zwei Quereinstiegs-Szenarien:

  • Karriere in Reihe: Hier setzt du auf deiner Ausbildung und Fachkompetenz auf und nimmst eine Tätigkeit auf, die an dein bisheriges Tätigkeitsfeld angrenzt.
  • Radikaler Wechsel: Du kehrst deiner Ausbildung den Rücken und fängst etwas ganz Neues an.

Je radikaler der Wechsel, umso anspruchsvoller ist es, deinen potentiellen Arbeitgeber von deiner Wechselmotivation zu überzeugen. Der will natürlich wissen, ob du dich mit den damit verbundenen Konsequenzen auseinandergesetzt hast und ob du weißt, auf was du dich einlässt:

  • In den meisten Fällen ist ein radikaler Wechsel mit weniger Gehalt verbunden, zumindest in der Anfangszeit.
  • Du bist plötzlich wieder in einem Anfänger-Status. Um Expertenstatus in irgendetwas zu erlangen, muss du etwas ca. 10000-mal gemacht haben. Das dauert also seine Zeit.

Vier heiße Tipps für Quereinsteiger

Egal, ob du nun eine Karriere in Reihe oder einen radikalen Wechsel planst, für Quereinsteiger gelten besondere Regeln:

  1. Lege den Fokus auf deine übertragbaren Fähigkeiten.
  2. Mache klar, dass du über die Veränderungen, die der Wechsel mit sich bringt Bescheid weißt.
  3. Du musst deine Wechsel-Motivation überzeugend darstellen können.
  4. Du brauchst eine maßgeschneiderte Bewerbungsstrategie, wie du am besten an dein Ziel kommst.

Übertragbare Fähigkeiten sind der Schlüssel für einen Quereinstieg

Wie du deine übertragbaren Fähigkeiten findest? Das ist eigentlich ganz einfach, kostet jedoch ein bisschen Mühe. Du machst dir als erstes eine Liste und schreibst alle Tätigkeiten auf, die du im Laufe einer Woche so ausführst: Kundengespräche führen, Protokolle schreiben, Präsentationen in PowerPoint vorbereiten, Telefonkonferenz moderieren, Projektplan erstellen und pflegen, etc.

Dann gehst du hin und arbeitest heraus, welche Kompetenzen, Fähigkeiten und Stärken du dafür nutzt. Das könnte so etwas sein wie Genauigkeit, Empathie, Umgang mit MS Office, komplexe Sachverhalte einfach ausdrücken, usw.

Als drittes schaust du, welche Fähigkeiten davon in deinem angestrebten neuen Job wichtig sind und was davon du bereits abdecken kannst.

Klarheit über die konkreten Veränderungen, die der Quereinstieg mit sich bringt

Weißt du, was Arbeitgeber unbedingt vermeiden wollen? Dass sie eine Stelle innerhalb einer kurzen Zeit zweimal besetzen müssen. Die Zeit für Ausschreibung, Sichtung der Unterlagen, Interviews sind dabei nur Peanuts. Jemanden einzustellen, der nach kurzer Zeit das Handtuch wirft, ist ein richtiges Geldgrab. Wenn ein Unternehmen nach gescheiterter Probezeit jemand Neues suchen muss, dann ist ungefähr ein Jahr für die Katz.

Daher wollen Unternehmen insbesondere bei einem Quereinstieg immer sauber überprüfen, ob du dich mit den Konsequenzen beschäftigt hast, oder ob du gerade einer temporären Laune unterliegst.

Wenn du beispielsweise Ingenieur bist und Erzieher werden willst, dann will sich der Arbeitgeber natürlich davon überzeugen, ob du dir im Klaren darüber bist, dass du zukünftig

  • auf Kindergartenstühlen deinen Tag verbringst,
  • deutlich weniger verdienst,
  • statt Maßstäbe, Windeln wechseln musst
  • und dass du statt mit introvertierten Ingenieurskollegen zukünftig deine Tage mit ADHS-Kindern und Helikoptereltern verbringst.

Überlege dir vorher also genau, welche Veränderungen dein angestrebter Job mit sich bringen wird. Im nächsten Blogartikel (Bewerbungsstrategien für Quereinsteiger) gebe ich dir dazu ausführlichere Tipps.

Wie du deine Wechselmotivation überzeugend darstellst

Wieso willst du deine berufliche Richtung ändern? Das will der potentielle Arbeitgeber verstehen. Was motiviert dich dazu? Was steckt dahinter? Was reizt dich an der neuen Aufgabe? Was sind deine Anknüpfungspunkte zu dieser Tätigkeit?

Je klarer und plastischer du deine Motivation für deinen Berufswechsel beschreiben kannst, umso besser. Kannst du vielleicht sogar eine ganz persönliche Geschichte dazu erzählen? Vielleicht hast du schon als Kind immer gerne mit Holz gearbeitet und wolltest eigentlich schon immer Möbel bauen. Aber deine Noten waren so gut und deine Familie ist dir aufs Dach gestiegen. Daher hast du dich dann für ein Maschinenbau-Studium entschieden. In deiner Freizeit verbringst du aber immer noch jede freie Minute in deiner Werkstatt, die du über die Jahre mit allen nur erdenklichen Profiwerkzeugen ausgestattet hast.

Wenn du mit so einer persönlichen Geschichte auftrumpfen kannst, dann kann jeder nachvollziehen, warum du deine berufliche Richtung ändern möchtest.

Erfolgreiche Bewerbungsstrategien für Quereinsteiger

Als Quereinsteiger kannst du die herkömmlichen Bewerbungsstrategien vergessen. Wenn du dich auf herkömmliche Stellenanzeigen bewirbst, dann kloppst du dich mit vielen Wettbewerbern, die über die entsprechende Ausbildung und Fachkompetenz verfügen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass du aussortiert wirst ist extrem groß. Gerade, wenn du einen radikalen Wechsel planst, brauchst du eine maßgeschneiderte Strategie. Eine Strategie, mit der du an viele Entscheidungsträger herankommst und dich und deine Motivation dann persönlich vorstellen kannst.

Mein Interview mit Bettina Strickhausen

Meine Kollegin Bettina Strickhausen hat mich kürzlich zu Bewerbungen von Quereinsteigern interviewt. Sie ist Berufungscoach und hat viele Klienten, die einen radikalen Wechsel planen. In dem Video sprechen wir über konkrete Fälle und wie Quereinsteiger mit den Herausforderungen ganz praktisch und konstruktiv umgehen können.

Das Leben ist nicht dazu da, etwas auszuhalten, sondern dafür, sein Potenzial zu nutzen!

Das hat damals meine Ärztin zu mir gesagt. Danach habe ich mich selbständig gemacht.

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Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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