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Kleider machen Leute

Macht es Sinn sich eine professionelle Stilberatung zu gönnen?

Heute ist es soweit, mein erster Termin bei einer Farb- und Stilberaterin steht an. Ich will nämlich der Frage nachgehen, wie läuft so eine Beratung ab, welche Ergebnisse kann man erwarten und was bringt das für die eigene Karriere?

Auf die Idee bin ich durch mein Interview mit Marianne Krschak-Herschung gekommen. Mit ihr habe ich mich darüber unterhalten, was es in Bezug auf die Kleidung in einem Bewerbungsgespräch zu beachten gilt. Ihre Tipps für Bewerbern findest du in meinem letzten Blogartikel.

Ich rücke heute also ungeschminkt zur Farbberatung an und vertrödele die Minuten bis zum näher rückenden Termin in Bad Honnef vor einer netten Gründerzeitvilla. Folgende Gedanken gehen mir durch den Kopf:

  • Was, wenn sie mir etwas überstülpt, was mir nicht gefällt?
  • Hoffentlich setze ich hier nicht Geld in den Sand?
  • Eigentlich bekomme ich doch immer ganz gute Rückmeldungen für meinen Look!
  • Was, wenn sie sagt, ich sei ein Herbsttyp? Denn wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind das braune Klamotten an mir.

So eine Beratung ist irgendwie anscheinend eine sehr intime Sache. Ich habe Angst davor, dass ich eines schlechten Geschmacks entlarvt werde. Ich frage mich, ob sich wohl meine Klienten auch mit ähnlichen Fragen vor dem ersten Termin quälen. Aber ich habe Marianne in unserem ersten Gespräch als sehr sympathische Frau kennengelernt und schließlich hatte sie mir am Ende ja auch gesagt, ich hätte ein tolles Kleid an. So schlimm wird es wohl nicht werden, denke ich und klingele.

Ich werde empfangen in einer sehr geschmackvollen Altbau-Wohnung mit hohen Decken und komme dann in ihren Arbeitsraum. Man sieht, dass sie auch Einrichtungsberaterin ist. Es ist alles stimmig, modern aber nicht modisch, dezent und trotzdem besonders. Hier wird mein Faible für Design gleich genährt.

Zunächst beantworte ich Fragen zu Größe, Gewicht, Haare gefärbt oder nicht, Schuhgröße und ähnliches. Als zweites macht sich Marianne daran, meine Körperstatur genauer zu betrachten: Wie sind die Proportionen? Sind die Beine länger als der Oberkörper, sind Hände und Füße schmal oder eher breiter, welche Form hat die Nase, welche Farbe haben die Augen, ob ich ein Hohlkreuz habe, sind die Haare glatt oder gelockt, lang oder kurz, wie lang ist der Hals und wie lang sind die Arme?

Mit diesen Fragen hätte ich nicht gerechnet

Ich bin überrascht, wie differenziert sie alles erfasst und aufschreibt. Und dann kommen Fragen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. „Wie bist du eingerichtet? Welche Hobbies hast du? Beschreib dich mal, was hast du für eine Persönlichkeit? Eher laut oder leise, eher extrovertiert oder eher introvertiert?“ will sie wissen. Ich lerne, dass die meisten Menschen dazu tendieren, ihren Einrichtungsstil auf die Kleidung zu übertragen. Wenn man einen eher reduzierten, schlichten Einrichtungsgeschmack hat, tendiert man auch zu einem solchen Kleidungsstil. Und bei mir stimmt das ganz genau. Ich habe es gerne sehr schlicht und reduziert und so ist auch meine Kleidung. Maximal zwei Farben an der Frau sage ich mir immer.

Ich merke, wie so langsam meine Angst, dass mir hier vielleicht etwas übergestülpt wird, was ich überhaupt nicht will, verschwindet, denn Marianne macht sich ein genaues Bild davon, wer ich bin, wie ich mich sehe und wie ich gesehen werden möchte. Alles was sie sagt und wie sie mich beschreibt ist sehr wertschätzend und hört sich nie nach einem Problem an, sondern eher danach, dass es etwas ist, was zu mir gehört und mich besonders macht. Sie befragt mich sehr genau danach, wie sie sich meinen Job vorzustellen hat, welche Art von Klienten ich habe. So macht sie sich ein Bild davon, inwiefern sich meine Businessgarderobe von meiner Freizeitgarderobe unterscheiden muss. Wir kommen überein, dass es in meinem Job als Karriere-Coach eher kontraproduktiv ist, wenn ich da in einem Businesskostüm sitzen würde, denn es geht ja viel mehr darum, schnell eine persönliche Beziehung herzustellen und als Mensch auch nahbar zu sein. Also muss sich meine Garderobe nicht so sehr von meiner Freizeit Garderobe unterscheiden. Zu Telekomzeiten war das noch anders. Da hatte ich wirklich eine Businessgarderobe, die sich stark von meiner Freizeitgarderobe unterschieden hat.

Und welche Farben passen nun zu mir?

Weiter geht’s im Programm. Marianne setzt mich auf einen Stuhl vor einen Spiegel und ich bekomme einen weißen Umhang um, wie beim Friseur. „Welche Farbe magst du gerne?“ Ich sage Pink und sie schaut mich mitleidig an, so als wollte sie gleich sagen: Tja, davon wirst du dich jetzt trennen müssen. Und welche Farbe geht für dich gar nicht? Braun oder lila. Marianne verzieht wieder etwas das Gesicht (ich bin allerdings auch geübt im Gesichter lesen – eine Deformation professionell sozusagen)! Vielleicht überlegt sie jetzt schon, wie sie mir das Braun beibiegen kann, denke ich und dann geht es erst einmal los mit einem silbernen und einem goldenen Tuch. Womit leuchte ich mehr, was bringt meine Lippenfarbe und meine Wangen deutlicher hervor? Ich finde mit Silber. Marianne ist irritiert und gibt zu: ja stimmt!

Nun probiert sie verschiedene Farbtücher aus. Immer wieder die Frage danach, was bringt mich mehr zu strahlen. Das, was sie sieht, kann ich häufig nicht sehen, aber wir stimmen meist darin überein, welche Farbe zu mir passt und welche nicht. Marianne sagt immer wieder: „Das gibt es doch gar nicht! Ich war mir sicher, du bist ein Herbsttyp, du hast braune Augen, braune Haare, dein Hautton geht in Richtung Bronze und all die warmen Farben gehen nicht.“ Ich entspanne mich, alles wird gut und braun wird nicht dabei raus kommen.

Das Ergebnis nach 2,5 Stunden ist, dass ich ein absoluter Wintertyp bin und nach einer Zeit kommt sie auch drauf, warum sie es nicht auf den ersten Blick gesehen hat: meine Haarfarbe stimmt nicht. Meine Haare sind gefärbt und seit einiger Zeit habe ich einen leichten Rotton in meiner ansonsten brauen Haarfarbe. Und der gehört da von Natur aus nicht rein. Und noch etwas ist komisch bei mir. Es gibt eine Faustregel, lerne ich, die IMMER, IMMER gilt und die besagt, dass die Farbe deiner Augen dir auch bei der Kleidung steht. Bei mir ist das aber nicht der Fall. Braun geht einfach nicht, obwohl ich braune Augen habe.

Ich bekomme eine Farbpalette mit allen Farben, die ich gut tragen kann. Alles Farben, die ich mag, Gott sei Dank! Und es gibt sogar zwei Ausnahmefarben: Curry und Koralle stehen mir komischerweise auch. Eine weitere halbe Stunde tauschen wir uns noch dazu aus, worauf ich beim Make Up achten sollte, welcher Schmuck, welche Taschenarten und welche Art von Brillen zu mir passt. Und bei manchen Vorschlägen denke ich gleich: Ja genau, das sieht bestimmt super aus. Ein paar Details zu meinem Typ verrät sie mir schon mal, aber ansonsten muss ich noch auf meinen Styleguide warten. Marianne wird mir einen ausführlichen Leitfaden dazu schicken, welche Schnitte, Materialien und Ausschnittformen meinen Typ am besten unterstreichen und wie ich es anstelle, Dinge, die ich nicht so betonen möchte, in den Hintergrund treten zulassen. Sie wird mir sogar einige Einkaufsmöglichkeiten empfehlen, wo ich meine Basics finde. Was für ein Service!

Nach drei Stunden bin ich echt platt. Es hat richtig Spaß gemacht und ich habe wirklich viel über mich erfahren. Vieles mache ich anscheinend schon richtig aber ich habe erstaunlich viele Tipps bekommen, was ich noch verbessern kann. Jetzt verstehe ich auch, warum manche Sachen, die ich mir gekauft habe, nie den Schrank verlassen haben. Noch entsorge ich sie nicht, denn das nächste Mal, wenn ich Marianne wiedersehe, wird es darum gehen, meinen Kleiderschrank zu sichten, auszusortieren, was nicht mehr passt und zu schauen, was ergänzt werden kann. Sie hat versprochen, dass Sachen, an denen ich hänge nicht der Aktion zum Opfer fallen, sondern dass wir eher schauen, wie ich sie kombinieren kann, so dass die Umstellung auf eine konsistente Winterfarbengarderobe Schritt für Schritt erfolgt.

Mein Fazit der Farbanalyse

Für mich hat es sich absolut gelohnt, auch, wenn ich in meiner Farbenwahl schon ganz gut unterwegs war. Mir ist ein Satz von Marianne noch im Kopf: Mit deiner Kleidung signalisiert du deine Zugehörigkeit und deine Werte. Vor dem Hintergrund hat das Thema Kleidung noch einmal eine größere Bedeutung für mich bekommen. Gerade, wenn man den nächsten Karriereschritt gehen möchte oder eine Führungsposition anstrebt, kann eine Farb- und Stilberatung wirklich hilfreich sein, mehr Sicherheit zu entwickeln und zu einem Stil zu finden, der sowohl zur Position als auch zur eigenen Person passt. Und selbstverständlich auch bei Bewerbungsgesprächen. Das sind immer stressige Situationen und wenn du dich in deiner Kleidung wohlfühlst und sie dich gut zur Geltung bringt, dann fällt schon mal ein Stressfaktor weg.

Hast du schon mal eine Farb- und Stilberatung gemacht? Wie sind deine Erfahrungen damit? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Silke Grotegut war 13 Jahre HR-Expertin in einem DAX-Konzern. Heute berät sie als Karriere-, Bewerbungs- und Gesundheitscoach Menschen in beruflichen Veränderungssituationen.

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