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Du bist so blöd!

7 Schritte, wie Sie in Vorstellungsgesprächen Ihren Inneren Kritiker bändigen

Neulich hatte ich eine Klientin, die total verzweifelt war. Sie war schon zu mehreren Vorstellungsgesprächen eingeladen worden, aber dann kam immer die Absage. Da sie eingeladen wurde, konnte es an ihren Unterlagen ja nicht liegen. An ihrem Abschluss konnte es auch nicht liegen, der war gut. Sie war jung, sehr gut ausgebildet und voller Elan. Eigentlich alles, was es braucht, um schnell einen Job zu finden. Aber jedes Mal bekam sie wieder eine Absage. Ich fragte sie, wie sie sich selbst in den Gesprächen erleben würde. Ihr liefen die Tränen über das Gesicht: Ich bin überhaupt nicht ich selbst.

So, wie dieser jungen Frau geht es vielen meiner Klienten. Sie gehen schon mit Angst und negativen Gedanken ins Vorstellungsgespräch und bleiben dort weit unter ihren Möglichkeiten. Sie können sich und das, was sie mitbringen, nicht überzeugend darstellen. Am Ende steht die Absage, das Selbstbewusstsein sinkt und es wird immer schwerer, in Vorstellungsgesprächen zu überzeugen. Eine Abwärts-Spirale.

Woran liegt es, dass gut ausgebildete Menschen – auch die mit viel Erfahrung – solche Manschetten vor Vorstellungsgesprächen haben?

Häufig denke ich beim Blick in den CV: Wo ist das Problem? Der Bewerber müsste eigentlich auf dem Arbeitsmarkt weggehen wie geschnitten Brot. Im Coaching stellt sich dann heraus, dass die meisten Bewerber sich selbst im Weg stehen oder besser gesagt, ihr Innerer Kritiker. Das ist diese fiese innere Stimme, die einem beispielsweise einflüstert:

  • Oh Gott, was redest du denn da?
  • Das macht man nicht!
  • Was hast du denn schon zu bieten?
  • Andere können viel mehr als du!
  • Das wird sowieso nichts!

Wenn Sie sich weder im Alltag noch in der Bewerbungsphase in die Abwärts-Spirale ziehen lassen wollen, dann setzen Sie Ihrem Inneren Kritiker klare Grenzen! Mit sieben einfachen Schritten können Sie Ihren Inneren Kritiker leiser und immer leiser werden lassen. Denn im Vorstellungsgespräch ist es wichtig, dass Sie ihr Bestes geben können. Hier müssen Sie Ihre Kompetenzen, Ihr Know-how und Ihre Erfahrungen gut darstellen können – nicht übertrieben, sondern realistisch. Es geht ja nicht darum, den „Superhero“ zu spielen, sondern zu zeigen, wer Sie sind. Nicht mehr und nicht weniger. Aber wer kann schon sein Bestes geben, wenn ständig auf ihm herumgehackt wird?

 

7 Schritte, wie Sie Ihren Inneren Kritiker den Wind aus den Segeln nehmen

1. Antennen auf Empfang!

Wie war das in Ihrem letzten Vorstellungsgespräch? Hatten Sie da Ihre Erfolge vor Augen oder fielen Ihnen eher Ihre Fehler und Misserfolge ein? Waren Sie fürsorglich mit sich selbst oder haben Sie sich innerlich eher fertiggemacht? Lassen Sie mich raten! Da war eher eine kritische Stimme. Meist ist uns diese Stimme gar nicht bewusst, denn sie ist uns so vertraut, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen. Der erste Schritt ist daher, aufmerksam zu werden für den Inneren Kritiker. Das wird vielleicht nicht sofort klappen, aber wenn Sie Ihren inneren Radioempfänger etwas feiner einstellen, dann werden Sie mit der Zeit aufmerksam für das, was er Ihnen die ganze Zeit so eintrichtert. Wichtig: In diesem Schritt geht es noch nicht darum, den Inneren Kritiker zu verändern oder gar auszuschalten, es geht darum, zu beobachten und zwar ohne Bewertung!

2. Verstehen, woher der Innere Kritiker kommt und was passiert, wenn er spricht

Um den Inneren Kritiker zu verändern, ist es hilfreich, erst einmal zu verstehen, wo diese Stimme überhaupt herkommt. Woher nimmt sie diese Kommentare wie:

  • Eigenlob stinkt!
  • Nimm dich nicht so wichtig!
  • Rede nicht so einen Unsinn!
  • Das kannst du nicht!

All das haben wir schon in unserer Kindheit gehört. Als wir klein waren, mussten wir viel lernen und unsere Eltern haben uns gesagt, was wir dürfen und was nicht. Sie haben mit uns geschimpft, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Das haben unsere Eltern in guter Absicht getan, wir haben das jedoch als Ablehnung und Kritik an uns erlebt. Mit der Zeit haben wir verinnerlicht, dass mit uns etwas nicht stimmt. Um von unseren Eltern nicht abgelehnt zu werden, haben wir unseren eigenen Inneren Kritiker entwickelt. Der hat die Sätze, Drohungen, Kritik und Tadel unserer Eltern abgespeichert und hat uns gesagt, was richtig und was falsch ist, was wir dürfen und was nicht. Seine Funktion war einmal, uns vor Fehlern zu schützen. Eigentlich eine gute Einrichtung, oder? Aber schnell entwickelt sich so ein Innerer Kritiker zum Diktator und Tyrannen, dem man es nie recht machen kann. Er findet immer noch etwas. Er sagt Ihnen ständig, was Sie falsch machen. Im Vorstellungsgespräch sagen Sie sich dann vielleicht:

  • Gib nicht so an, mit dem Projekt. Das macht man nicht. Und so toll war es nun auch wieder nicht.
  • Was faselst du denn da von Teamfähigkeit? Was war das denn letztens für ein Theater mit deiner Kollegin?

Und schon ist es passiert: Der Fokus ist weg, der Zugriff auf das, was Sie gut können, wird schwieriger, vielleicht sogar unmöglich, je nachdem, wie stark Ihr Innerer Kritiker ist.

3. Sprechen Sie mit Ihrem Inneren Kritiker!

Das sollten Sie vor allen Dingen in der Vorbereitungszeit auf die Vorstellungsgespräche tun. Hören Sie aufmerksam in sich hinein. Welche negativen Gedanken kommen Ihnen in Bezug auf das Vorstellungsgespräch über sich? Fragen Sie Ihren Inneren Kritiker, was seine Sorge ist? Es ist schwer zu glauben, aber er hat eine positive Absicht! Allerdings ist der Kritiker kommunikativ nicht gut geschult. Fragen Sie sich bzw. Ihre inneren Kritiker, vor was Sie bewahrt werden sollen!

4. Überzeugen Sie ihn!

Wenn Sie herausgefunden haben, was die Intention Ihres Inneren Kritikers ist, dann überlegen Sie, ob Sie in der Vergangenheit schon mal gezeigt haben, dass Sie solch einem Problem gewachsen sind. Wenn Ihrer Innere Kritiker beispielsweise sagt: „Das schaffst Du nie!“ dann rufen Sie sich in Erinnerung, welche Situationen Sie in Ihrem Leben schon erfolgreich gemeistert haben. Bleiben Sie so lange im Dialog, bis Ihr Innerer Kritiker beruhigt ist. Vielleicht stellt sich auch heraus, dass Ihnen tatsächlich noch etwas fehlt, um den Job anzutreten, auf den Sie sich bewerben wollen. Dann haben Sie die Möglichkeit, sich eine Lösung für das Problem zu überlegen.

5. Stopp!

Wenn Sie nun im Vorstellungsgespräch sitzen und Ihr Innerer Kritiker funkt Ihnen dazwischen, dann ist das nicht der Zeitpunkt für eine Diskussion mit dem Tyrannen. Sagen Sie innerlich deutlich „Stopp! Jetzt nicht! Ich konzentriere mich jetzt auf das Gespräch, wir schauen später, was ich besser machen kann!“.

6. Trennen Sie Ihre Person von Ihrer Performance!

Das ist der wichtigste und zugleich anspruchsvollste Weg. Sie als Person haben einen Selbstwert, einen Wert, der aus Ihnen selbst heraus besteht und der ist unabhängig von dem, was Sie leisten und wissen. Über Ihre Leistung kann man unterschiedlicher Meinung sein und diskutieren, die kann gut oder schlecht sein. Ihre Leistung sagt aber nichts über den Wert Ihrer Person aus! Es ist wichtig, das voneinander zu trennen. Ihr Innerer Kritiker ist, wie gesagt, nicht so geschult. Der wirft das alles in einen Topf. Sie haben das Vorstellungsgespräch verhauen und er sagt: Du bist so blöd! Dann ist es an Ihnen, Ihrem Inneren Kritiker klarzumachen, dass Sie solch ein Pauschalurteil nicht gelten lassen. Schauen Sie sich an, was gut lief und was Sie weiterführen möchten und auch, was nicht gut lief und Sie anders machen möchten. Trennen Sie die Kritik an der Leistung von sich selbst! Sie selbst sind wertvoll, auch wenn sie mal etwas nicht so gut gemacht haben.

 

Das Problem ist nicht, dass Sie einen Inneren Kritiker haben. Wir alle haben einen. Wichtig ist allein, dass Sie lernen, mit ihm umzugehen. Meine Erfahrung ist, dass es nichts nützt, ihn zu ignorieren, ihn auszublenden, ihn mit Missachtung zu strafen. Ich habe vor einigen Jahren meinen Inneren Kritiker entlassen. Gefeuert! Hat nicht funktioniert: Die Durchsagen kamen immer noch. Erst jetzt in den letzten drei, vier Jahren ist er fast verstummt, weil ich mit ihm in den Diskurs gehe, sobald er sich meldet. Ich führe richtige innere Dialoge mit ihm und wir verhandeln. Ich höre mir an, was seine Sorge ist und meist kann ich ihn überzeugen, wenn ich ihm darlege, welche Probleme ich im Laufe meines Lebens schon erfolgreich gelöst habe. Dann wird er ganz kleinlaut.

Meine Klientin, die vor kurzem noch so verzweifelt war, hat es auch geschafft. Gemeinsam haben wir eine Strategie erarbeitet, wie Sie dem Tyrannen den Wind aus den Segeln nehmen kann. Es hat nicht lange gedauert, da kam die nächste Einladung zum Vorstellungsgespräch. Natürlich hat sich auch dort der Innere Kritiker zu Wort gemeldet, aber Sie hat es geschafft, ihn für die Zeit kaltzustellen. Ergebnis: Er hat stillgehalten! Und nicht nur das. Sie hat eine Zusage bekommen. Was war anders? „Ich hatte klar, was ich kann, konnte mich konzentrieren und den Fokus halten. So konnte ich mich überzeugend präsentieren.“

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Inneren Kritiker gemacht und wie gehen Sie mit ihm um? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Tipps.

Herzliche Grüße – Silke Grotegut

Foto: gratisography.com

 

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Silke Grotegut war 13 Jahre HR-Expertin in einem DAX-Konzern. Heute berät sie als Karriere-, Bewerbungs- und Gesundheitscoach Menschen in beruflichen Veränderungssituationen.

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