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Steigere dein Selbstwertgefühl für die Bewerbung

Aktualisiert am

  • „Was kann ich denn schon Besonderes?“
  • „Meine Fähigkeiten haben alle anderen auch. Schlimmer noch: die anderen können das auch noch viel besser als ich“
  • „Ich bin doch nur Mittelmaß“
  • oder „Ich bin nicht gut genug für die Stelle“

Mit solchen Selbstzweifeln kommen viele meiner Klienten zu mir ins Coaching. Das eigene Selbstwertgefühl liegt am Boden. Gerne vergleichen sie sich immer wieder mit anderen Menschen und enden in dem Gefühl, dass sie den Vergleich nicht bestehen. Die anderen sind kreativer, ausdauernder, intelligenter, schneller, belastbarer. Ist diese Spirale erst einmal in Gang gesetzt, entwickelt sich schnell eine Eigendynamik. Jeden Tag finden Betroffene neue Beweise, dass sie nicht gut genug sind. Im Bewerbungsprozess ist das natürlich nicht hilfreich. Wie du dich selbst stärken kannst, um im Bewerbungsprozess selbstbewusst zu überzeugen, das erfährst du in diesem Blogartikel.

 

Vor einiger Zeit kam Sabine zu mir ins Coaching.  Ihr ganzer Blick war darauf fokussiert, was sie alles nicht beherrscht. Ihr Selbstwertgefühl war auf dem Tiefpunkt. Egal, ob wir über ihre beruflichen Erfolge, ihre Fähigkeiten oder ihre Stärken gesprochen haben, die sie zweifelsohne hatte – nirgends stellte sich bei ihr Zufriedenheit oder gar Stolz darauf ein, was sie bereits erreicht hatte. Für sie war klar:

Ich bin nicht gut genug!

Mit dieser Einstellung, nicht zu genügen, harrt sie schon seit Jahren in einer Stelle aus, die sie hasst. Sie ist überzeugt, dass sie sowieso keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat. Die Folge: Magenschmerzen, Kopfschmerzen und Erschöpfung!  Diese Symptome sind bei Sabine mittlerweile zur Normalität geworden. Morgens sitzt sie manchmal im Auto und weint, weil ihr ganzer Körper dagegen rebelliert, zur Arbeit zu fahren. Aber jeden Tag aufs Neue rafft sie sich auf. Ihren Job empfindet sie als Mühle und erschöpft sich jeden Tag ein bisschen mehr.

Aber wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen das Gefühl haben nur mittelmäßig zu sein? Wenn überhaupt!

Drei Gründe für ein schwaches Selbstwertgefühl

1. Überzogene Erwartungshaltung sich selbst gegenüber

„Ich rette noch nicht einmal die Welt“…

Die Welt zu retten ist ein natürlich grandioser Anspruch und trotzdem höre ich ihn im Coaching immer wieder. Und selbst wenn der Anspruch nicht ganz so groß ist, sind wir großartig darin, uns selbst schlecht dastehen zu lassen: „Mein Abi ist auch nicht das Beste“, „Ich bin nicht die Ordentlichste“ oder „Andere schaffen viel mehr als ich“. Allzu gerne richten wir unseren Fokus auf unsere vermeintlichen Defizite und vergessen darüber, was wir alles geleistet und erreicht haben. Wenn wir etwas geschafft haben, empfinden wir es als selbstverständlich. Statt uns daran zu freuen, haben wir gleich das nächste To-do im Blick.

2. Die Vorstellung: Nur wer viel leistet ist viel wert

Dein Selbstwert ist vollkommen unabhängig davon, was du leistest. Unser Selbstwert besteht aus uns selbst heraus und ist losgelöst von unserer Performance. Über unsere Leistung können und sollten wir diskutieren, aber unser Selbstwert ist nicht verhandelbar. In unserer Leistungsgesellschaft werden wir ständig beobachtet und nach unserer Leistung beurteilt. Und so kann es auch leicht passieren, dass wir das Gefühl einwickeln, nichts oder zumindest weniger wert zu sein. Aber das sind zwei unterschiedliche Dinge. Das Selbstwertgefühl kann abweichen von unserem Selbstwert. Als Mensch bist du immer gleich viel wert – egal, ob du gerade eine Glanzleistung erbracht hast, oder ob du gescheitert bist.

3. Die Einstellung: Mittelmass ist keine Option

  • „Du kannst alles werden, wenn du es nur wirklich willst”.
  • „Du musst einzigartig und außergewöhnlich sein, sonst bist du uninteressant“.

Mittelmaß will keiner sein. Bei Sabine hatte sich über Jahre unbemerkt eine diffuse Erwartung eingeschlichen, in allen Bereichen Weltklasse-Niveau zu sein. Das kann niemand leisten! Dieser Anspruch hat sie viele Jahre wahrgenommen, wurde aber davon angetrieben.

Meine eigene mittelmäßige Geschichte

Ich selbst war ein Weltmeister darin, mich mit anderen zu vergleichen. Als ich noch bei der Telekom war, waren meine Idole Unternehmensberater, die einen Haufen Geld verdienten und die Weisheit anscheinend mit Löffeln gefressen hatten. Diese smarten Anzugträger hatten es in meinen Augen geschafft. Intelligent, erfolgreich und offensichtlich frei von körperlichen Bedürfnissen wie zum Beispiel Schlaf. Die Liste meiner unerreichten Vorbilder war lang.

WILLST DU UNGLÜCKLICH SEIN, VERGLEICHE DICH MIT ANDEREN.

Mein Mann hat sich damals häufig lustig über mich und meine Verehrung von Prof. X und Dr. Y gemacht. Für mich verkörperten diese Menschen das, was ich erreichen wollte. Das war sehr frustrierend für mich. Ich habe mich ständig mit dem konfrontiert, was ich (noch) nicht erreicht hatte. Meinem Selbstwertgefühl hat das nicht gut getan. Und wenn ich etwas erreicht hatte, dann habe ich meine Latte einfach höher gelegt: „Wenn ich zwei Studienabschlüsse habe, dann habe ich es geschafft“. Kaum hatte ich den zweiten in der Tasche, hatte ich das Gefühl, „nur wenn ich einen Doktortitel habe, bin ich etwas wert“. Es hörte nie auf. Das Ende vom Lied war, dass ich mich immer als unzureichend empfunden habe. Mit 35 hatte ich dann meinen ersten Burnout.

Selbstbewusst zum Mittelmaß stehen

…denn Mittelmaß ist ein menschliches Maß

Statistisch gesehen sind 95 % der Bevölkerung mittelmäßig, was einzelne Begabungen anbelangt. Ist das nicht beruhigend?

Irgendwann hatte ich es begriffen: Es macht keinen Sinn, mich mit anderen zu vergleichen. Und egal, ob ich eine Aufgabe gut oder schlecht erledige, als Mensch bin ich immer gleich viel wert. Meinem Anspruch an eine professionelle Arbeit tut das überhaupt keinen Abbruch. Ich kann heute nur entspannter damit umgehen, wenn etwas mal nicht so toll läuft. Meine Erlaubnis an mich selbst, durchschnittlich und mittelmäßig sein zu dürfen, hat mir unglaublich viel Freiraum gegeben und dadurch viel Druck aus meinem Leben genommen. Meine Freude an der Arbeit hat zugenommen und ich habe mich entspannt weiterentwickeln können.

Ein toller Nebeneffekt ist, dass ich mich vielen Menschen heute verbundener fühle, weil ich heute auf das Verbindende schaue und nicht auf das, was uns unterscheidet. Ich kann mich heute daran freuen, dass jemand etwas viel besser kann als ich, ohne dass ich mich dafür abwerte. Bekannten  Menschen auf Augenhöhe zu begegnen fällt mir heute nicht mehr schwer. Ich bin ja genau so viel wert wie sie, auch wenn sie irgendetwas ganz besonders gut können.

Wir sind alle absolut mittelmässig und absolut besonders

Das Schöne ist: obwohl wir alle mittelmäßig und durchschnittlich sind, sind wir auch etwas ganz Besonderes. Niemand außer dir hat genau deine Erfahrungen, genau deinen Humor, genau deine Qualifikation gepaart mit deiner Persönlichkeit. Dich gibt es nur ein einziges Mal auf dieser Welt.

Falls du dich gerade im Bewerbungsprozess befindest, und du für dein Selbstwertgefühl eine Auffrischung brauchst, schau dir gern meinen Notfallkoffer an. Es geht nicht ohne Arbeit, aber du kannst selbst eine Menge dazu beitragen, dein Selbstwertgefühl zu stärken

Notfallkoffer für dein Selbstwertgefühl

Hier ein paar Tipps für den Fall, dass dein Selbstwertgefühl gelitten hat oder im Moment nicht so stark ist, wie du es gerne hättest.

  • Trenne deine Person von deiner Performance. Deine Performance ist verhandelbar, dein Selbstwert ist es nicht. Du bist okay so wie du bist und darfst dich weiterentwickeln. Vielleicht ist dir selbst einfach noch nicht klar, was du zu bieten hast.
  • Dein Selbstwert ist etwas anderes, als dein Selbstwertgefühl. Dein Gefühl, was du wert bist, kann Schwankungen unterliegen. An einem Tag fühlst du dich gut und liebeswert, an anderen ist es mit deinem Selbstwertgefühl nicht so gut bestellt. ABER du bist immer noch der gleiche Mensch mit dem gleichen unantastbaren Wert – unabhängig davon, ob du das gerade selbst so wahrnimmst oder nicht.
  • Vergleiche dich nicht mit anderen! Wir sehen von den meisten anderen Menschen nur die Fassade. Wie es in ihnen aussieht, welche Sorgen, Nöte, Ängste sie haben, wofür sie sich schämen und was hinter den Kulissen nicht gut läuft, sehen wir gar nicht. Frag dich mal ehrlich: Vergleichst du vielleicht dein Innenleben mit der Fassade anderer Menschen?
  • Gib dir die Erlaubnis durchschnittlich zu sein! Schau auf das, was dich mit anderen Menschen verbindet, nicht auf das, was dich von ihnen unterscheidet. Wir sind alle Menschen, wir müssen alle sterben, wir sehnen uns alle nach Nähe und Anerkennung. Spür mal in dich hinein, wieviel Druck das von dir wegnimmt.
  • Entspann dich und versuche nicht, krampfhaft an deinem Selbstwertgefühl zu arbeiten. Das wäre eine zusätzliche Aufgabe, die du dir selbst aufbürdest. Let it flow! Dein Selbstwertgefühl wird sich von alleine weiter entwickeln. Du kannst jeden Tag neu entscheiden, wie du über dich selbst denkst.
  • Wenn du noch nicht so geübt darin bist, den Blick auf das Positive zu lenken, kann es hilfreich sein aufzuschreiben:
    • Was war gut an deinem Tag?
    • Welche Fortschritte und Erkenntnisse hattest du?
    • Worüber hast du dich gefreut?

Es geht nicht um nobelpreisverdächtige Leistungen und Ergebnisse, sondern um ganz normale Dinge, wie zum Beispiel: Ich habe mein erstes Angebot erstellt, ich habe mit einem schwierigen Kunden telefoniert, ich habe mir diese Woche an zwei Tagen jeweils eine Stunde Zeit nur für mich genommen.

Wenn das eigene Selbstwertgefühl am Boden ist, dann macht es keinen Sinn sich zu bewerben. Dann investiere lieber die Zeit, darin, deine eigenen Ressourcen wieder aufzubauen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Wenn du Hilfe dabei benötigst, denn ruf mich einfach an oder melde dich zu meiner beruflichen Kaffeepause an.

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Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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