Blog:

Beruflicher Quereinstieg: Erst Probieren dann Umsatteln

Aktualisiert am

Beruflich etwas ganz anderes zu machen, davon träumen viele. Nur wenige entscheiden sich, tatsächlich den Beruf zu wechseln. Manchmal ist es Bequemlichkeit, aber häufig steckt dahinter auch die Angst, die eigene Karriere aufs Spiel zu setzen für einen Beruf, der die eigenen Erwartungen dann doch nicht erfüllt. Was kann man tun?

In meinem letzten Blogartikel habe ich davon berichtet, wie ich damals nach 14 Jahren im Personalbereich aus der Telekom ausstieg und endlich meinen Traum vom Biobauer-Dasein leben wollte. Letztendlich habe ich mich dagegen entschieden und habe mich als Karriere- und Bewerbungscoach selbständig gemacht. Die Entscheidung gegen den Biobauern war damals das Ergebnis eines dreiteiligen Entscheidungsprozesses. Über die ersten beiden Schritte habe ich im letzten Artikel berichtet. 

  • Vor einer beruflichen Neuorientierung sollte der erste Schritt immer darin bestehen, ausführlich zu recherchieren und möglichst viele Informationen zusammenzutragen. 
  • Menschen zu finden, die deinen angestrebten Job bereits ausüben und mit ihnen über das Berufsbild ins Gespräch zu kommen ist besonders hilfreich, weil d so viele Insider-Informationen bekommst. Damals habe ich über diese beiden Schritte viele Informationen sammeln können und auch danach war ich auch immer noch der Meinung, dass ist es, was ich machen will. 
  • Um aber eine solide Entscheidung treffen zu können, habe ich damals ein Praktikum auf einem Hof gemacht. Darüber bin ich heute sehr froh, denn da ist mir klar geworden, dass ich mir das zu rosig ausgemalt hatte. Es ist halt etwas anderes, wenn man hautnah miterlebt, wie es ist, wenn ein Schaf direkt auf dem Hof notgeschlachtet werden muss – mit Boardmitteln, oder wenn plötzlich alle Tomaten von einer Krankheit befallen sind und die gesamte Ernte verloren geht. 

Berufliche Neuorientierung zum ausprobieren

Über die Möglichkeit, seinem Traumjob auf den Zahn zu fühlen, habe ich mit Alexander Schuster von JobTry gesprochen. Er war über 15 Jahre Unternehmensberater bevor er Jobtry gründete und heute unterstützt er nicht nur Absolventen, sondern auch Menschen mit Berufserfahrung dabei, ihren Traumberuf in einem Praktikum auszuprobieren. Bei ihm heißt das Ganze nicht Praktikum, sondern Jobtry. 

Den Berufsalltag kennenlernen

Silke: Hallo Alexander! Was hat dich auf die Idee gebracht, Professionals in Praktika zu vermitteln? Das ist doch eher etwas für Schüler oder Absolventen.

Alexander: Ich habe in meinem Leben und in meinem Job so viele Menschen getroffen, die total unglücklich in ihrer Karriere sind. Manche sind nicht wirklich „selbstbestimmt“ zu ihrem Job gekommen. Vielleicht durch die Eltern, die nach dem Schulabschluss gesagt haben, mach doch etwas Sicheres und geh zur Bank. Jetzt sind sie seit 20 Jahren in einer Bank, täglich unglücklich mit dem was sie tun, scheuen sich aber davor den Schritt zu einer beruflichen Veränderung auch tatsächlich zu gehen. Sie sagen sich: „Ich weiß doch gar nicht, ob mir der andere Beruf wirklich gefallen würde“. Genau diesen Menschen möchte ich zu einer Möglichkeit verhelfen, ihren schon immer gehegten Wunschberuf einmal in der Praxis zu überprüfen. Und das geht am besten, wenn sie mal für ein paar Tage in ein Unternehmen gehen und in den jeweiligen Beruf hinein schnuppern. Bestenfalls dürfen sie sogar mitarbeiten, zumindest aber hinter die Kulissen schauen. Das Ziel von JobTry ist es, den Menschen den Eindruck in das Alltagsleben ihres Wunschberufs zu ermöglichen, so dass sie nicht mehr nur „aus dem Bauch heraus“ eine Entscheidung treffen müssen. Mein Ziel ist es, dass jeder den Job findet und letztlich auch darin arbeitet, für den er gemacht ist.

Den neuen Beruf erleben

Silke: Die saubere Überprüfung, ob die neue berufliche Richtung passt und machbar ist, ist auch integraler Bestandteil meines Beratungsprozesses. Ich empfehle meinen Klienten vor einem radikalen Berufs-Wechsel unbedingt ein Praktikum zu machen. Worin siehst du genau die Vorteile eines Praktikums?

Alexander: In einem mehrtägigen Praktikum hat man erstens die Möglichkeit, sich intensiv mit Menschen auszutauschen, die den Wunschberuf schon seit mehreren Jahren ausüben. Dadurch, dass sie ganz nah an die Aufgaben des angestrebten Berufs kommen und ggf. auch schon mitarbeiten können, bekommen sie neben den ganzen Informationen vor allem ein Gefühl dafür, ob der Job passt bzw. ob sie ihm gewachsen sind, ob sie das Stresslevel oder das frühe Aufstehen aushalten. Das sind Erfahrungen, die man durch Recherche und Interviews alleine nicht machen kann. Außerdem können die Praktikanten gleichzeitig ein erstes Netzwerk im angestrebten Bereich aufbauen. Darauf können sie später zurückgreifen, wenn sie sich tatsächlich für einen Wechsel entscheiden.

Silke: Welche Tipps würdest du Menschen geben, die ein Praktikum anstreben? 

Alexander: Um das richtige Unternehmen zu finden, muss man sich im Vorfeld schon ein paar Gedanken machen. Beispielsweise:

  • welche Kriterien soll das Unternehmen oder der Job erfüllen, damit ich einen möglichst fundierten Einblick bekomme.
  • Möchte ich das Praktikum lieber in einem kleineren oder in einem größeren Unternehmen absolvieren?
  • Sollte ich die Gelegenheit nutzen, es vielleicht in einer anderen Stadt durchzuführen?

Und erst dann kommt der entscheidende Schritt: man nimmt dann Kontakt zu den Unternehmen auf, die in Frage kommen.

Bewerbung um einen Praktikums-Platz: worauf kommt es an?

Silke: Worin siehst du die größten Herausforderungen?

Alexander: Die Recherche nach einem geeigneten Praktikumsplatz kann schon eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Das birgt dann auch die Gefahr, dass das Vorhaben im hektischen Alltag dann doch wieder untergeht. Außerdem ist es nicht jedermanns Sache, erst einmal sich bis zum richtigen Ansprechpartner durchzufragen. Das kann ja auch nur zu den normalen Geschäftszeiten erfolgen.Da arbeiten die meisten Praktikums-Interessierten ja selbst. Eine weitere große Herausforderung ist es, ein Unternehmen zu überzeugen, jemandem für mehrere Tage Einblick in die Firma zu geben, der zum einen fachfremd ist und ohne die Gewissheit zu haben, ob der Praktikant sich tatsächlich für eine nachfolgende Anstellung interessiert. Das erfordert schon Überzeugungsarbeit und Erfahrung, denn Praktikanten kosten ein Unternehmen Zeit und Geld.

Silke: Und das übernimmst du mit JobTry für deine Kunden?

Alexander: Genau. Das gehört alles zu unserem Leistungsportfolio. Wir nehmen den JobTryern, wie die Kunden bei uns heißen, diese ganze Arbeit ab und unterstützen sie auch noch darüber hinaus.

Beruflicher Neustart: wie kann der Übergang gestaltet werden?

Silke: Was empfiehlst du deinen JobTryern nach einem erfolgreichen Praktikum? 

Alexander: Wenn das Praktikum erfolgreich verlaufen ist und die Entscheidung für den Wunschberuf sich weiter gefestigt hat, dann empfehle ich meinen Kunden unbedingt eine saubere Übergangsplanung aufstellen inkl. einer Übergangsrechnung. Auch das bietet JobTry an. Durch Planung und Kalkulation kann aufgezeigt werden, wie ein zeitnaher Übergang in den Wunschberuf aussehen kann und das möglichst ohne Einschränkung des eigenen Lebensstandards. Als Unternehmensberater habe ich viel Erfahrung darin solche „Business-Pläne“ zu erstellen. Mir ist es wichtig, dass die Entscheidung für den neuen Job auf soliden Füßen steht und alle Fakten auf dem Tisch liegen. Denn dann kann sich der JobTryer voll und ganz auf die Ausübung seines neuen Berufs konzentrieren.

Silke: Wie kann man mehr über das Angebot von JobTry erfahren?

Alexander: Unter www.jobtry.de findet man alle relevanten Informationen. Da beschreibe ich ausführlich den Beratungsprozess und auch die Unterschiede zwischen einem normalen Praktikum und einem über JobTry angebotenen Kurz-Praktikums. Ich biete auch die Möglichkeit eines kostenlosen Kennenlerngesprächs an. So können sich die Interessenten erst einmal unverbindlich informieren. Mir ist es wichtig, meine Kunden und ihre aktuelle Karriere-Situation persönlich kennenzulernen. So finden wir am besten heraus, welches Angebot zu jedem Einzelnen passt. 

Silke: Vielen Dank, Alexander, für deine vielen Tipps, die du all denen hier gegeben hast, die sich beruflich umzuorientieren wollen und sich aber vielleicht noch nicht trauen und vor allem nicht alles auf eine Karte setzen wollen.

Alexander: Sehr, sehr gerne! Ich hoffe, wir können durch unsere Arbeit viele Menschen wieder mit einem Lächeln im Gesicht aufstehen und in die Arbeit gehen lassen!

Folgende Blogartikel könnten dich auch interessieren:

Du willst dich beruflich neuorientierten? Wie du das Risiko zu scheitern minimierst

Bewerbung nach dem Burnout, wie geht das?

2 Kommentare zu »Beruflicher Quereinstieg: Erst Probieren dann Umsatteln«

  1. Malte Zemmer sagt:

    Sehr geehrte Frau Grotegut,

    an dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen für den Blogartikel bedanken. Das Interview war für mich sehr aufschlussreich. Hier wurde Mehrwert für den Leser geboten. Als passionierter Leser diverser Blogs bin ich immer sehr angetan, wenn ich einen Artikel finde, der eine gewisse Qualität aufweist. Der nicht nur, das Problem nennt, sondern auch praktische und lösungsorientierte Hinweise liefern kann – so wie es der obige Artikel tut. Dafür vielen Dank! Sie müssen verstehen, dass es als Leser nicht immer leicht ist in dem sogenannten „Informationsdschungel“ (so nenne ich das Internet) den Durchblick zu bewahren. Mittlerweile gibt es einfach eine sehr große Anzahl an Blogs und Seiten.

    Ein Quereinstieg (so sehe ich das auch) kann immer Risiken bedeuten, daher finde ich eine Probierphase mittels Praktikum sehr sinnvoll. Oftmals werden Praktika auch vergütet, sodass man nicht komplett auf Einnahmen verzichten muss. Ich werde mir sicherlich überlegen, wie in meine Zukunft gestalten werden, denn auch ich plane einen Quereinstieg und will mich im Bereich der Medizintechnik wagen. Vielversprechende Stellen konnte ich auf dieser Jobbörse finden. Es ist sicherlich vernünftiger ein Praktikum zu beginnen, bevor man gleich eine vollwertige Stelle annimmt.

    Recht herzlichen Dank!

    MFG.

    1. Silke Grotegut sagt:

      Ja, ein Quereinsteig bedeutet ein Risiko – aber ich finde es ist beherrschbar. Auch bei einem „normalen“ Jobwechsel ist nicht garantiert, dass sich alles so entwickelt, wie man möchte. Durch sorgfältige Recherche und saubere Abklärung der Dinge, die einem wichtig sind, kann man das Risiko deutlich reduzieren. Ein Praktikum vertieft den Eindruck nochmals. Dann ist man für eine Entscheidung wirklich gut vorbereietet. Ich würde mich freuen, wenn Sie irgendwann nochmal von Ihrem Praktikum berichten und ob das für ihre Entscheidung hilfreich war. Danke auch für den Jobbörsen-Link. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem beruflichen Quereinsteig in die Medizintechnik.Herzliche Grüße – Silke Grotegut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere


Foto: Anette Hammer, Freistil-Fotografie

Silke Grotegut war 14 Jahre als HR-Expertin in einem DAX-Konzern tätig. Heute arbeitet sie als Karriere-, Bewerbungs- und Laufbahncoach und begleitet Professionals bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

Mehr erfahren

Kategorien:


Feed abonnieren

RSS-Feed

Newsletter

Wenn Du regelmäßig Informationen zu Karriere und Bewerbungen, zu meinen neuen Produkten oder Aktionen erhalten möchtest, dann trage dich in den Verteiler ein.

Hinweis: Deine Daten werden ausschließlich zur Verarbeitung Deiner Anfrage genutzt.
Es gelten die Bedingungen unserer Datenschutzerklärung